13/04/14

Martin Kasper

Der Freiburger Maler konstruiert stille Räume zwischen Erinnerung und Erwartung. Seine Arbeiten sind derzeit in zwei Soloschauen zu sehen

von Dietrich Roeschmann
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Martin Kasper, Mittendrin, 2006, Foto: Bernhard Strauss

Der Freiburger Maler konstruiert stille Räume zwischen Erinnerung und Erwartung. Seine Arbeiten sind derzeit in zwei Soloschauen zu sehen

Menschenleere Räume haben eine besondere Atmosphäre. Die Sonne scheint durch die Fenster oder manchmal auch nur ein fahles Licht von der Decke, Möbel dösen geduldig in der Stille vor sich hin, und wenn die Fenster geschlossen sind, raschelt nicht mal ein Kalenderblatt an der Wand – zumindest nehmen wir das an. Wir sind ja nicht dabei. Peter Fischli und David Weiss brachten diese geheimnisvolle Schönheit des verwaisten Raumes in einer knappen Frage auf den Punkt: „Was ist in meiner Wohnung, wenn ich nicht da bin?“

Die vagen Bilder, die uns bei dieser Frage durch den Kopf gehen, könnten von Martin Kasper (*1962) stammen. Seit langem interessiert sich der in Freiburg lebende Maler für Räume, in denen die Zeit still zu stehen scheint, weil niemand mehr anwesend ist, der sie messen würde. Es sind oft Orte des Übergangs – Flure, Foyers und Wartesäle – oder der Erinnerung: spätmodernistische Interieurs oder repräsentative Innenarchitekuren des sozialistischen Klassizismus, deren verblichener Glanz vom Scheitern der Utopien erzählt, für die sie einst standen. Oft geht seinen Bildern eine lange fotografische Recherche in diesen Räumen voraus, bevor er sich daran macht, sie mit Pinsel und Temperafarben Schicht um Schicht auf der Leinwand neu zu konstruieren. Der sichtbare Raum ist dabei nur der Anlass für eine malerische Auseinandersetzung mit den Qualitäten, die sich der Vermessung entziehen. In ihrer seltsam unwirklichen Licht- und Schattendramaturgie, den klaren Kompositionen – meist in Frontalperspektive – und ihrer matten, gedämpften Farbigkeit wirken sie wie Erinnerungsbilder aus einer fernen Vergangenheit, die gleichermaßen Sehnsucht und Beklemmung auslösen, Ruhe und Beunruhigung. Dieser eigentümliche Schwebezustand zwischen Traum und Wirklichkeit, in dem seine Raumkonstruktionen verharren, verdankt sich Kaspers Interesse an einer malerischen Ausformulierung des Gegenständlichen in maximaler Abstraktion. Ein schönes Beispiel dafür bietet die Raumansicht eines stillgelegten Kinofoyers („Demnächst“, 2007), das derzeit im Rahmen einer kleinen Soloschau des Künstlers im Museum Biedermann in Donaueschingen zu sehen ist. Eine schwarze Anschlagtafel, die das Zentrum des Bildes wie ein Fenster ins Nichts beherrscht, lässt sich hier zugleich als Verweis auf Kasimir Malewitschs ultimative Reduktion der Malerei auf das schwarze Quadrat verstehen. Im historischen Vakuum des bühnenartigen Settings mutiert die Leerstelle so zur Projektionsfläche einer Malerei, die in der bildhaften Rekonstruktion des erinnerten Ortes ihren Möglichkeitsraum zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion vermisst. Die gespannte Stille, die hier herrscht, entfaltet einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

        

Martin Kasper.

Museum Biedermann

Museumsweg 1, Donaueschingen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 29. Juni 2014.


Martin Kasper: Echokammer.

Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe

Olbrichweg 15, Darmstadt.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 21. April 2014.




Museum Biedermann
Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe