28/03/14

Schöner Warten

Der Kunstraum Baden zeigt Werke der schweizerisch-vietnamesischen Künstlerin Quynh Dong

von Annette Hoffmann

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Quynh Dong, Sweet Noel, 2013, Videostill, courtesy the artist, Foto: René Rötheli, Baden

Der Kunstraum Baden zeigt Werke der schweizerisch-vietnamesischen Künstlerin Quynh Dong

Hanoi, Hongkong, Bern – das klingt nach einem globalisierten Lebenslauf. Was aber, wenn man trotzdem seinen Heimatort nicht verlassen hat? Ist man zudem Künstlerin geworden, dann wird Identität zu einem zentralen Thema des eigenen Schaffens. So bei Quynh Dong (*1982), die 2010 ihr Studium an der ZHdK mit dem Master abschloss und derzeit an einem Förderprogramm der Reijksakademie in Amsterdam teilnimmt. In einem Interview hat die Vietnamesin mit dem Schweizer Pass ihre erste Wohngemeinschaft als Kulturschock beschrieben, bis dahin hatte sie in Bern in einer Parallelwelt mitsamt asiatischem Supermarkt und Karaoke gelebt. Im Kunstraum Baden ist derzeit unter dem Titel „Tears of a Swan“ eine Einzelausstellung von Quynh Dong zu sehen. Den Schwan sucht man zwar in ihrer gleichnamigen Arbeit vergebens, mehrere leicht gewellte purpurfarbene Rosenblätter liegen auf weißen Sockeln aus, die den Besucher der Ausstellung im Foyer des Kunstraum Badens begrüßen. Was so zart wirkt, ist jedoch aus glasiertem Ton und wurde in Handarbeit hergestellt. Der Schwan findet sich dann in einer der beiden Videoinstallationen von Quynh Dong. Eine Frau setzt ihn in ein blaues Blütenmeer. Gleich elf Mal ist die Künstlerin in einem pinkfarbenen, schmal geschnittenem Kleid in dem künstlichen Paradies ihres Videos „Sweet Noel“ zu sehen. Es dauert so lange, wie das Liebeslied „Hai Mua Noel“, das reihum von einer dieser Quynh Dongs interpretiert wird. Für den westlichen Betrachter gleicht das Video einem hoch verkitschten Wimmelbild. Quynh Dong hat sich – laut Pressetext – bei diesem Tableau an einem bekannten Lackbild des vietnamesischen Künstlers Nguyen Gia Tri orientiert, das eine Gruppe von Frauen unter blühenden Bäumen mit ihren Kindern beim Müßiggang und beim Musizieren zeigt. Attribute wie ein Fächer übernimmt Quynh Dong, andere ergänzt und ersetzt sie. So reitet ein Schaukelpferd durch die Szene. Die Künstlerin verschmilzt hier traditionelle Bildvorstellungen mit zeitgenössischem asiatischem Pop. Die zweite Videoarbeit, die auf die Rückseite von „Sweet Noel“ projiziert ist, zeigt zwei unterschiedliche alte Männer vor einem Hintergrund farbiger Vierecke, man hört Spieldosenmusik. Die beiden Asiaten in „My second paradise“ warten, ohne dass man wüsste worauf. Sie treten von einem Fuß auf den anderen, kratzen sich am Bein, telefonieren mit ihrem Handy, trinken ein Dosenbier. Hin und wieder verändert sich die Lichtstimmung, dann wechselt etwa die Farbe und Art der Kleidung. Es ist ein Leben im Wartezustand, dem man hier zusieht.


Quynh Dong, Tears of a Swan

Kunstraum Baden

Haselstr. 15, Baden.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 17.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 12.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 19. April 2014.





Kunstraum Baden