25/03/14

Textilkunst

Arbeiten von Mona Ardeleanu sind in der Frischzelle des Kunstmuseum Stuttgart zu sehen

von Annette Hoffmann
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Mona Ardeleanu, Inner Circle, 2013 V, 2013, © Mona Ardeleanu

Arbeiten von Mona Ardeleanu sind in der Frischzelle des Kunstmuseum Stuttgart zu sehen


Dem taubenblauen Lampion mit dem Blumenmuster wachsen merkwürdige Extremitäten: Wurzeln geradewegs nach oben und unten oder fein gegliederte Insektenfühler, die in einer zarten Befiederung enden. Und wie immer sind die Objekte von Mona Ardeleanu (*1983) ohne jeglichen Kontext auf den monochromen Hintergrund gemalt. So als handelte es um reine Geistesblitze, die aus dem Nichts entstanden sind. Die Stuttgarter Künstlerin, die derzeit die Frischzelle des Kunstmuseum Stuttgart bestreitet, hat sich merkwürdigen Körpern verschrieben, die ihre Herkunft aus dem Fundus der Kostümkunde nicht ganz verleugnen können. Mona Ardeleanu nutzt Stoffe mit ihren Mustern und Strukturen als konkretes Ornament, jedoch faltet, bauscht und drapiert sie diese, so dass immer auch gedanklich dreidimensionale Objekte entstehen, die sie mit Ölfarbe auf die Leinwand bannt. Dabei widmet die Malerin diesen Oberflächen eine Aufmerksamkeit, wie sie etwa auch ein Porträt verlangen würde.

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Mona Ardeleanu, Falter II, 2013, Foto: Frank Kleinbach, © Mona Ardeleanu

Der Körper, den diese Dinge schmücken oder schützen könnten, ist abwesend. Doch die Reaktionen, die jegliches Körperliche auslösen kann, sei es nun Freude, Begehren oder gar Ekel, überträgt sich auf diese „Innungen“, „Schnürungen“ und „Inner Circle“. Mal tritt dem Betrachter ein Stück Pelz mit unbekanntem Innenleben entgegen, dann ein weiß gepunktetes grünes Tuch, das auch einen Kopf umfassen könnte, stattdessen ist ein Stück feine Spitze über eine braune Kugel gezogen. Ein mit Rosen bedrucktes altmodisches Tuch könnte auch über einen Lampenschirm geworfen sein, ist dann in der Mitte geschnürt und sieht aus wie an einer imaginären Achse gespiegelt, wäre es nicht wie von Geisteshand links und rechts in Falten gerafft. Die Unterseite dieses Stoffes ist wider Erwarten schwarz. Mitunter hat es gar etwas Komisches, mit welchem Aufwand hier die verschiedenen Stoffe, Spitzen, Haarteile und Schnüre dem Putz dienen.

Mona Ardeleanu ist eine sehr genaue Malerin, die jedoch Akkuratesse mit einem gewissen Maß an Nachlässigkeit zu verbinden weiß. Das trägt ganz wesentlich dazu bei, ihre Motive trotz allem Surrealismus zumindest für möglich zu halten. Mona Ardeleanu schafft mit diesen Objekten selbst eine Art Körper, der durch Raffungen und Schnürungen erotisch aufgeladen ist. Und doch ist es ein Körper, der in den Falten und Wülsten, die dabei entstehen, anwesend abwesend ist.

Frischzelle: Mona Ardeleanu

Kunstmuseum Stuttgart

Kleiner Schlossplatz 1, Stuttgart.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Freitag 10.00 bis 21.00 Uhr.

Bis 30. März 2014.

 




Kunstmuseum Stuttgart