21/02/14

Uta Pütz

Irgendwann geraten die Dinge immer außer Kontrolle: Die deutsche Bildhauerin und Fotografin nimmt die Schwerkraft mit Leichtigkeit

von Annette Hoffmann
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Uta Pütz, Breite über alles, 2013; Erlaubnis zum Stilllegen, 2014; Sonn I., 2013; Sonn V, 2013, Ausstellungsansicht Full House, mit Kriz Olbricht, Kunsthaus L6, Fotos: Uta Pütz

Irgendwann geraten die Dinge immer außer Kontrolle: Die deutsche Bildhauerin und Fotografin nimmt die Schwerkraft mit Leichtigkeit

Künstlergespräche sind immer wieder ein beliebtes Format. Authentisch und unmittelbar bürgen sie sozusagen für sich selbst. Im Basler „Kasko“ ist das komplizenhafte Augenzwinkern zwischen Kuratoren und Künstlern nicht zu übersehen, ebenso wenig wie das Wissen um die Trivialität von Fragen nach Lebensmittelpunkt oder der aktuellen Ausstellungsserie. Tatsächlich sind die drei Videogespräche, die hier im Rahmen des Projektes „Grenzgänger“ zu sehen waren, gefakt. Camille Roux, Axel Töpfer und Uta Pütz hatten Stellvertreter in den Ring mit den drei Ausstellungsmacherinnen Caroline Käding, Sophie Kauffenstein und Andrea Domesle geschickt, die ihre Rolle mal naiv, auftrumpfend, mal verschwörerisch interpretierten. Man muss sich nicht immer an Künstlermythisierungen beteiligen.

Solche Verschiebungen und Abwesenheiten sind charakteristisch für das Werk von Uta Pütz (*1969). Die Künstlerin, die zuerst an der Freiburger Außenstelle der Kunstakademie Karlsruhe und dann dort bei Meuser studiert hat, arbeitet mit Leerstellen. Ihr Material, Holz- und Metallteile, aber auch Fotografien, entdeckt sie auf Flohmärkten, am Straßenrand oder in den Werkstätten der Institutionen, in denen sie ausstellt. Da kann es passieren, dass wie derzeit im Freiburger Kunsthaus L6 ein von der Künstlerin mehrfach gebogenes Stahlrohr auf eine Holzlatte und einen roten Besenstiel trifft und so zum Exempel für die Fragilität von Gleichgewicht wird. Während eines Stipendienaufenthaltes in Helsinki lieferte sie sich ein Wettrennen mit diesem bis zum Äußersten gespannten Zustand. Manchmal hielten ihre Assemblagen aus Stöcken, Stäben und Winkeln, die sie auf neutralem Hintergrund inszenierte, gerade mal so lange wie der Moment des Fotografierens dauerte. Der Augenblick des Scheiterns wird ausblendet. Die Dominoreaktion des Slapsticks interessiert Uta Pütz nicht. Der Humor, der hier seinen Ausdruck findet, ist eher einer, der aus der Beiläufigkeit einer Verschiebung oder einer Argumentation entsteht, die um sämtliche Übergänge gebracht wird. Das kann einen durchaus fuchsen.

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Uta Pütz, 6019, 2013, Ausstellungsansicht, Badischer Kunstverein, Karlsruhe 2014, Foto: Stephan Baumann, bild_raum

Oft steht man vor Arbeiten der mittlerweile in Köln lebenden Künstlerin und fragt sich, was es damit auf sich hat – etwa mit diesem Wandobjekt, das Pütz derzeit im Badischen Kunstverein zeigt. Der Titel „6019“ gibt zwar Aufschluss über die grüne Farbe seiner Lackierung, aber was erklärt das schon? Kaum, dass dieser stufenförmige Stahlgegenstand auf den ersten Moment wie Malerei aussieht oder wie eine Faltung, bis er dann mit dem Näherkommen seine objekthafte Dimension einlöst – ohne dass man dabei dem Charakter des Bildes noch dem der Skulptur näher gekommen wäre. „Was mich interessiert, ist das Fehlen von Information“, sagt Uta Pütz. „Man weiß, es gibt die Information, kommt aber nicht mehr an sie heran. Es schwebt etwas im Raum und bleibt auch da. Ich möchte die Kontrolle über meine Arbeit nicht bis zum Schluss behalten. In dieser Leerstelle soll sich etwas Eigenes entwickeln“. Die Hebel, die sie für diesen gemeinsamen Kontrollverlust mit dem Betrachter ansetzt, sind minimalistisch und passieren vor aller Augen. Ein kleiner Holzklotz, der unter ein Tischbein geklemmt ist, setzt sich in ihrer Karlsruher Ausstellung „Shifted“ in einem Austarieren der fünf Stahlgestelle fort, die übereinandergestapelt und ineinander gestellt sind: ein Mobile der geerdeten Art.           

 

Uta Pütz: Shifted.

Badischer Kunstverein

Waldstr. 3, Karlsruhe.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr. Bis 30. März 2014.


Uta Pütz & Kriz Olbricht: Full House.

Kunsthaus L6

Lameystr. 6, Freiburg.

Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 16.00 bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 2. März 2014.




Kunsthaus L6
Badischer Kunstverein