03/01/14

Satt, aber sexy?

Die Kunststiftung Baden-Württemberg beleuchtet die Situation junger Künstler im Land

von Annette Hoffmann

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Grafik, aus: Baden-Württemberg: Ein Ort für junge Künstler?, Stuttgart 2013

Die Kunststiftung Baden-Württemberg beleuchtet die Situation junger Künstler im Land

Wie Berlin so ist? Alle wissen das: arm, aber sexy. Die Phalanx an internationalen Künstlern trägt viel zu diesem Appeal bei. Gerade für junge Kunstschaffende ist die Anziehungskraft groß. Aber Baden-Württemberg? Wer würde schon Stuttgart, Karlsruhe oder Mannheim den Status einer Metropole zusprechen – oder gar Freiburg? Das Kunstbüro Baden-Württemberg hat jetzt eine Studie herausgegeben, die die Situation von Kunststudierenden und Absolventen der Akademien in Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart beleuchtet und so zur Standortklärung beitragen könnte. Dies vorweg, die Städte des deutschen Südwestens verlieren ihren künstlerischen Nachwuchs nicht aneinander – es ist Berlin, das wie ein Magnet wirkt.

Die Studie befasst sich mit den Vorstellungen der Studierenden von Erfolg, den Themen Ausbildung und Finanzen sowie den professionellen und persönlichen Bedürfnissen der 25- bis 35-Jährigen. Erstellt wurde sie auf Grundlage von Fragebögen, Expertengesprächen und Diskussionsrunden Studierender, in denen durchaus Unbedarfheiten und Selbststilisierungen offenkundig werden. Das ist nachvollziehbar: Laut Erhebungen der Künstlersozialkasse erwartet die Altersgruppe der Befragten ein durchschnittliches Jahreseinkommen von knapp 14.500 Euro.

Was empfinden Studierende an Baden-Württemberg als zuträglich, was als belastend? Der hohe Standart der Werkstätten und die Exkursionen auf der einen Seite stehen hohe Mieten, der Mangel an international ausgerichteten Galerien und das Fehlen einer an Austausch interessierten Kunstszene gegenüber. Was die Studie zudem offenlegt, ist der von den jungen Künstlern ausgetragene An­tagonismus von akademischem Freiraum und der Vermarktung durch Galerien. Der Konflikt wird meist durch Selbstausbeutung gelöst. Es scheinen nicht zuletzt die gut verdienenden Professoren zu sein, die diesen vermeintlichen Widerspruch zugunsten einer Distanz zum Kunstmarkt schüren. Und warum das Ganze? Wenn junge Künstler eine Stadt, ein Land, für ungeeignet halten, um dort ihren künstlerischen Lebensentwurf zu verwirklichen, „ist womöglich nicht allein jungen Künstlern die Perspektive verbaut, sondern grundsätzlich kreativen und innovativen Lebens- und Arbeitsmodellen.“ Das verlangt geradezu nach einer Folgestudie, die untersucht, wie sich die Situation verbessern lassen könnte.

 

Baden-Württemberg: Ein Ort für junge Künstler?, Stuttgart 2013, 93 S. und Interviewcollage, 19,90 Euro, erhältlich beim Kunstbüro Baden-Württemberg, www.kunstbuero-bw.de