02/01/14

Stumme Gäste und einsame Zauberer

Im Zürcher Migros Museum für Gegenwartskunst hat Laura Lima surreale installative Performances eingerichtet

von Dietrich Roeschmann
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Laura Lima, The Naked Magican, 2008-2013, Ausstellungsansicht Migros Museum für Gegenwartskunst Zürich, courtesy the artist

Im Zürcher Migros Museum für Gegenwartskunst hat Laura Lima surreale installative Performances eingerichtet

Nach dem aufwendigen Umbau des Zürcher Löwenbräu-Areals zum Kunst- und Luxuswohnquartier durfte man sich lange Zeit wundern: Ein Dutzend Kunstorte und kein Restaurant? Wie konnte das sein? Nun hat im Migrosmuseum wenigstens eine Bar eröffnet, aber schon beim Betreten steht fest: die Chancen, hier einen freien Tisch zu bekommen, stehen nicht gut. Alle Plätze sind belegt, und das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern. Die Steinobjekte und Salzhaufen, die Filzskulpturen und abstrakten Bilder, die dort auf Stühlen hocken und sich von einer freundlichen Kellnerin den ganzen Tag über Bier nachschenken lassen, machen keine Anstalten, zu gehen. Eingeladen wurden die stummen Gäste von der brasilianischen Künstlerin Laura Lima (*1971), die mit ihrer Installation „Bar Restaurant“ das Bühnenbild für ein wunderbar surreales Re-enactment der Identifikation von Objekt und Körper eingerichtet hat, mit der Lygia Clark, Hélio Oiticica oder Lygia Pape die neokonkreten Bewegung im Brasilien der 1950er Jahre begründeten.

Ähnlich raumgreifend und in ständiger Bewegung präsentiert sich auch die zweite Arbeit, die Lima in ihrer Zürcher Soloschau zeigt. Hinter den Türen eines windschiefen DDR-Hotelflurs hat sie eine riesige Wunderrumpelkammer eingerichtet, in der ein einsamer Zauberer in Frack und Zylinder tagaus tagein eine skurrile To-do-Liste abarbeitet: Kartenhäuser bauen, gegen sich selbst würfen, Masken nähen. Vom Tageslicht abgeschottet und umgeben von Regalen, deren Bretter sich unter der Last des Brockenhaus-Trödels biegen, der hier zu geheimen Ordnungen arrangiert ist, bleibt das seltsam zielgerichtete Treiben dieses Magiers ebenso undurchschaubar wie der nie versiegende Durst der Kunstwerke in der benachbarten Bar, deren Gläser sich wie von Geisterhand leeren. Genau darin gründet der subtile Zauber von Limas installativen Performances: Neben der kalkulierten Irritation von Wirklichkeit, Illusion und Fiktion, die sie auslösen,  erscheinen sie zugleich als ganz realer Arbeitsplatz zweier Menschen, deren Arbeit in nichts anderem besteht, als den Sinn ihres Tuns beharrlich ins Leere laufen zu lassen. Was sie dabei produzieren? Schönste Poesie.     


Laura Lima

Migros Museum für Gegenwartskunst

Limmastr. 270, Zürich.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 2. Februar 2014.





Migros Museum für Gegenwartskunst