27/12/13

Eine Frage des Bewusstseins

Welche Rolle spielt das Experiment in der Kunst, der Heidelberger Kunstverein fragt in seiner Gruppenschau "It's only a state of mind" nach

von Julia Neuert

 

heidelbergscheonfeld.jpg

Sarah Schönfeld, LSD, MDMA, seit 2011, Aus der fortlaufenden Serie “All You Can Feel”

Welche Rolle spielt das Experiment in der Kunst, der Heidelberger Kunstverein fragt in seiner Gruppenschau "It's only a state of mind" nach

Was ist wahr? Und was Realität? Glauben wir nur das, was wir sehen? Brauchen wir wissenschaftliche Beweise, um an etwas glauben zu können? Oder sehen wir unbewusst oft mehr, als wir begreifen wollen? Eine Ausstellung im Heidelberger Kunstverein beschäftigt sich derzeit mit dem Übernatürlichen und der Rolle der Kunst im Experiment. „It`s only a state of mind“ stellt mit verschiedenen Medien die Frage nach dem jeweiligen, ganz eigenen Bewusstsein. Dabei geht es um weit mehr als die menschliche Suche nach wissenschaftlicher Erkenntnis. Es geht um die Dinge, die wir oft nicht belegen können: um Wahrheit, Glauben und die Grenzen dessen, das zu sehen wir bereit sind.

Um sich diesem Phänomen zu nähern, es greifbar oder begreifbar zu machen, konfrontiert die Ausstellung den Betrachter mit Arbeiten von fünfzehn zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern. Eine der bekanntesten, die in Köln lebende Rosemarie Trockel, verwendet für ihre 1993 entstandenen, schwarz-weißen Fotodrucke die Aufnahmen eines zoologischen Experiments, das in den 1950er Jahren in Tübingen durchgeführt wurde. Dabei hatte man Spinnen unter Drogeneinfluss gesetzt, damit sie sich dem Tagesablauf der Forscher anpassen. Den frühmorgendlichen Netzbau konnte jedoch nicht unterbunden werden. Im Gegenteil spiegelte sich darin deutlich der Bewusstsein verändernde Einfluss wider: Während das Netz unter LSD geradezu präzise gesponnen war, wirkte Koffein verheerend. Eine Visualisierung des Rausches unternimmt die Berliner Künstlerin Sarah Schönfeld mit ihrer Fotoserie „All you can feel“. Ihre Drucke zeigen phantastische Landschaften, die entstanden, indem sie Substanzen wie Kokain, Speed oder Valium auf belichtete Fotonegative träufelte.

heidelbergtrockel.jpg

 Rosemarie Trockel, What it is like to be what you are not, 1993, Fotogravüren

Die Britin Annie Goh hingegen fragt in ihrem „electromagnetic microcosm“ nach der Wirkung von Strahlung. In ihrem Experiment fangen Sensoren verschiedene Frequenzen ein, etwa von Mobiltelefonen, die sowohl akustisch als auch anhand von sich immer neu ordnenden Eisenspänen sichtbar werden. Vom Wunsch, dem eigenen Unbewussten nachzuspüren, sind die großflächigen Arbeiten des Amerikaners Matt Mullican inspiriert, der unter Hypnose Stoffbahnen bemalt. Jede der hier gezeigten Arbeiten beschäftigt sich auf ihre eigene Weise mit Realität. Allen gemeinsam ist, dass sie künstlerische Strategien an der Grenze zur Wissenschaft entwickeln, um das Unbegreifliche sichtbar zu machen. Sie stellen Fragen, Antworten geben sie nicht. Kunst wird zum Experiment und das Experiment zur Kunst. Eine spannende Versuchsanordnung.  

 

It’s only a state of mind.

Heidelberger Kunstverein

Hauptstr. 97, Heidelberg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12.00 bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 19.00 Uhr.

Bis 2. Februar 2014.





Heidelberger Kunstverein