22/12/13

Von wegen unbeschwert

In der Kunsthalle Nürnberg blickt man mit etwas Wehmut auf die Jugend zurück

von Friedrich J. Bröder
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Sofie Muller, Clarysse, 2011, Courtesy the artist, Foto: Kunsthalle Nürnberg

In der Kunsthalle Nürnberg blickt man mit etwas Wehmut auf die Jugend zurück

Mit einer beziehungsreichen Ausstellung feiert die Kunsthalle Nürnberg, die 1913 als „Fränkische Galerie“ eröffnet wurde, derzeit ihr 100-jähriges Bestehen. „Forever young. Über den Mythos der Jugend“, so der metaphorische Titel der Jubiläumsschau, thematisiert den zeitlosen Begriff „jung“, den weit über Kindheit und Jugend hinaus Erwachsene jeden Alters für sich in Anspruch nehmen – und, „forever young“, als „ewige Jugend“ verstehen.

Sieht man sich Hans-Peter Feldmanns Arbeit „100 Jahre“ gleich zum Auftakt der Ausstellung gegenüber, ist es mit der ewigen Jugend jedoch nicht weit her. 100 Foto-Portraits, die in dichter Reihenfolge angeordnet sind, zeigen Menschen vom ersten bis zum hundertsten Lebensjahr. Und der Betrachter zieht unweigerlich eine Bilanz seines abgelaufenen Lebens und liest anhand von Feldmanns Fotografien ab, was an Jahren hinter ihm liegt und was noch vor ihm liegen könnte. War die Jugend wirklich so unbeschwert?

Welche Wehmut in ihr ist, zeigt die Installation „Claysee“ der belgischen Künstlerin Sofie Muller. Die lebensgroße, aber kopflose Figur eines Schulmädchens sitzt allein in einer Reihe von Schulbänken und schaut auf die leeren Pulte vor ihr, die mit zunehmender Entfernung umso verkohlter sind. Es ist ein trostloser Blick eines Kindes in eine sich verdüsternde Zukunft. So wie auch der kleine, barfüßige Junge, zwei Räume weiter, von einem hohen Gerüst herab, mit hängendem Kopf unter seiner Kapuze, auf die Leere unter ihm starrt, wo seine Turnschuhe liegen, als ob er sich gleich schwermütig in die Tiefe stürzen wollte. Als sei sein Leben ohne Perspektive, wo doch die lichtvolle Zukunft seines Lebens vor ihm liegen müsste. Es ist eine Arbeit des skandinavischen Künstler-Duos Elmgreen & Dragset, die hier so melancholisch stimmt.

Die Ausstellung „Forever young“, die sich an die derzeit laufende kulturhistorische Schau „Aufbruch der Jugend“ im Germanischen Nationalmuseum anlehnt und diese in die Kunst der Gegenwart fortschreibt, entlässt den Besucher mit einem Ambiente von Claus Richter. „Peter Pan & Me“ inszeniert die verlorene Kindheit als Blick in ein Kinderzimmer, das mit alten Spielsachen, Poesiealben, Fotografien, Kinderbüchern, Schallplatten und Kindergeburtstagsgeschenken zugemüllt ist. Die Erinnerung ist aufgehoben im dialektischen Sinne des Wortes, aufgehoben wie in einem Depot, aber auch wie aus dem Gedächtnis gelöscht.              

Forever young. Mythos der Jugend

Kunsthalle Nürnberg

Lorenzerstr. 32, Nürnberg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 10.00 bis 20.00 Uhr.

Bis 19. Januar 2014.




Kunsthalle Nürnberg