23/12/13

Changierende Bilder

Der Amerikaner James Welling erkundet das Feld der fotografischen Abstraktion

von Florian Weiland
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James Welling, 6063, 2008, aus „Glass House“, 2006-2009

Der Amerikaner James Welling erkundet das Feld der fotografischen Abstraktion

Das „Glass House“ in New Canaan ist ein lichtdurchfluteter Bungalow, dessen gläserne Außenwände sich zur Umgebung öffnen. Noch immer fasziniert das von Philip Johnson entworfene Gebäude durch seine Architektur. Mit Hilfe von farbigen Filtern, Folien und Spiegeln hat James Welling (*1951) das „Glass House“ fotografiert. Die Aufnahmen des Amerikaners interpretieren dies auf eigenwillige Art neu, tritt doch die Architektur in den Hintergrund. Stattdessen spielen Farbe und Licht die Hauptrollen.

James Welling lotet die Grenzen und Möglichkeiten der Fotografie aus. Mit und ohne Kamera erkundet er das Feld der fotografischen Abstraktion. Mitunter führt der Zufall Regie. Für die Werkserie „New Abstractions“ ließ der Künstler in absoluter Dunkelheit ausgeschnittene Kartonstreifen auf ein Fotopapier fallen und anschließend belichten. Er sah nicht, was er tat, doch das Ergebnis ist fulminant. An die Malerei Mark Rothkos erinnern die jetzt im Fotomuseum Winterthur erstmals umfassend vorgestellten „Degradés“. Abstrakte Fotogramme, die von Welling mit reinem Licht in der Dunkelkammer belichtet werden. Hier gibt es kein Negativ und auch keinen Gegenstand mehr, der zur Bildfindung führt. Wir sehen die pure Farbe.

Höhepunkt der Ausstellung ist die Serie der „Light Sources“. So vielseitig die Motive auch sind – wir entdecken Landschaften, Portraits, Interieurs und immer wieder Großaufnahmen von Lampen –, ist doch immer, mal versteckt, mal ganz offensichtlich eine Lichtquelle zu sehen. Gerade durch das Zusammenspiel der einzelnen Aufnahmen gewinnt diese Fotoserie ihren Reiz.

Welling studierte zunächst Malerei und begeisterte sich für Minimal Art und Konzeptkunst. Das ist bis heute seinen fotografischen Arbeiten anzusehen. Für seine erste Serie begann Welling das Tagebuch seiner Ur-Ur-Großmutter abzufotografieren. Mit einer hölzernen 4 x 5 Zoll Kamera hält er die Notizen, die gepressten Blumen, Blätter und Zeichnungen seiner Vorfahrin fest und kombiniert sie mit Landschaftsaufnahmen aus Connecticut. Gegenwart und Vergangenheit, reale und erinnerte Bilder finden in den Aufnahmen zu einer Einheit. Welling spricht von einem „changierenden Zeitgefühl“. Die erste umfassende Museumsausstellung des Künstlers in der Schweiz präsentiert auch die Serie der „Aluminium Foils“, die den Künstler Anfang der 1980er Jahre international bekannt gemacht hat. Was auf den kleinformatigen Fotografien wie eine Mondlandschaft wirkt, kristallinen oder makroskopischen Strukturen gleicht, ist stets dasselbe Motiv: einfache Aluminiumfolie. Gleich daneben zeigen die „Brown Polaroids“ die üppigen Faltenwürfe eines Vorhangs. Auch hier ist Wellings Interesse an Oberflächen und dem Spiel von Licht und Schatten das eigentliche Thema.  


James Welling, Autograph.

Fotomuseum Winterthur

Grüzenstr. 44+45, Winterthur.

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 11.00 bis 20.00 Uhr.

Bis 16. Februar 2014.





Fotomuseum