21/12/13

Joëlle Allet

Die Thurgauer Künstlerin spielt mit Form, Material und dem Maßstab alltäglicher Dinge

von Dieter Langhart
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Joelle Allet, Roundabouts (Detail), 2013, courtesy the artist

Die Thurgauer Künstlerin spielt mit Form, Material und dem Maßstab alltäglicher Dinge

Niemandsland. So bezeichnet Joëlle Allet das Gelände an der Fabrikstraße in Sirnach, wo sich ein Corvette-Restaurator und eine Polsterei, ein Tonstudio und ein Glashändler und manche mehr eingerichtet haben. Ihr Atelier sehe im Moment eher nach einem Lager aus, warnt die Künstlerin. Auf einen Holzrahmen hat sie fünf Kreisel gebettet, überlebensgroß. „Roundabouts“ lautet ihr Titel, doch drehen sollte man sie nicht. Die farbenfrohen Spielgeräte aus Gießkeramik würden es nicht überstehen. Joëlle Allet ist fasziniert von alltäglichen Objekten, von deren Form und Materialität – diese andere Sicht aufs Normale begleitet sie seit ihrer Kindheit im Wallis. Sie liebt es, Kontext, Eigenschaften, Funktion zu hinterfragen – oder zu verwandeln. Ein Beispiel dafür ist der „Defensor“, den sie 2012 an der Ostschweizer Triennale „Heimspiel“ im Kunstmuseum St. Gallen zeigte: Indem sie hier einen museumsüblichen Luftbefeuchter mit  elegantem Perlmuttglanz überzog, verwischte Allet gezielt die Grenze zwischen Gebrauchsobjekt und Skulptur. Überhaupt ist ihr die Wahrnehmung des Betrachters wichtig. Joëlle Allet fordert ihn zum Mitmachen heraus. Sie will den Vorgang sichtbar und fassbar machen, der hinter ihren Arbeiten steckt – oder sie übernimmt den Kunstkontext gleich selbst als Thema für Interventionen wie in der Serie „Kunstköder“ (2012).

Allets Material variiert, reicht von Gips über Holz bis zu Keramik und Metall. Handwerkliche Lösungen holt sie sich bei Fachleuten und in Werkstätten, wobei ihr Freund als Schreiner und Kunsttechniker fleißig mitdenkt. „Wenn ich eine Idee habe, setze ich sie um“, sagt Joëlle Allet. „Am Anfang höre ich oft: Das geht nicht. Aber sobald ich jemanden von der Idee begeistern kann, wird plötzlich vieles möglich. Ja, ich bin hartnäckig, ungeduldig manchmal.“ Die Zusammenarbeit, die Reaktionen anderer, das inspiriere und motiviere sie, mit ihrer Kunst weiterzumachen. Joëlle Allet verführt die Menschen gerne: direkt wie bei der Arbeit „Standard“ mit japanischen Holzlatschen – sogenannten Getas – zum Anprobieren; indirekt bei der Umsetzung ihrer Ideen. Als sie 2010 den Manor-Kunstpreis Wallis gewann, gelang es ihr, die Schweizerische Gesellschaft für Stereoskopie zur Mitarbeit an den anaglyphen Bildern für ihren 3D-Katalog „Bon Voyage“ zu gewinnen.

Am liebsten aber arbeitet die 33-Jährige mit ihren eigenen Händen. Ihr Atelier ist temporäre Werkstatt und Lager zugleich. Joëlle Allet hat kurz Style & Design studiert, dann Bildende Kunst an der ZHdK und arbeitet heute nebenbei als Kunsttechnikerin in der Kunsthalle Zürich. Kürzlich wurde sie mit dem Adolf-Dietrich-Förderpreis ausgezeichnet. Die mit dem Preis verbundene Einzelausstellung ist derzeit im Kunstraum Kreuzlingen zu sehen, ihre Soloschau „Audience Flow“ mit neuen Arbeiten eröffnet im Februar in der Kunsthalle Wil.  Dieter Langhart

 

Joelle Allet: Adolf-Dietrich-Förderpreis 2014

Kunstraum Kreuzlingen

Bodanstr. 7a, Kreuzlingen.

Bis 26. Januar 2014.

 

Joelle Allet: Audience Flow

Kunsthalle Wil

Grabenstr. 33, Wil.

9. Februar bis 16. März 2014.

 


 




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