16/12/13

Zukunft ist unsere Gegenwart

Das Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen spürt der Synamik künftiger Erfolge nach

von Dietrich Roeschmann
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Sibylle Bergemann: Das Denkmal, 1975-1986 Schwarzweißfotografie, Foto: Bernd Borchard © Nachlass Sibylle Bergemann / Ostkreuz

Das Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen spürt der Synamik künftiger Erfolge nach

Man könnte es so sagen: Künstler träumen davon, Arbeiten hervorzubringen, die irgendwann einmal Relevanz gehabt haben werden. Klingt seltsam? Klar. Futur II war noch nie wirklich alltagstauglich. Das Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen – kurz: ifa –, das seit 1949 neben den Goethe-Instituten zu den zentralen Institutionen der auswärtigen Kulturpolitik Deutschlands gehört, nähert sich diesem Zusammenhang von Kunst und Erwartung nun gleich in zwei Projekten. Während die üppig bestückte Schau „Weltreise“ im ZKM Karlsruhe derzeit mit rund 400 Arbeiten von über 100 etablierten Künstlerinnen und Künstlern aus der ifa-Sammlung einen Blick in die bereits vollendete Zukunft des Kunstschaffens in Deutschland wirft, wagt die kürzlich in Frankfurt eröffnete Tournee-Schau „Future Perfect“ eine Wette auf die noch zu vollendende Zukunft. Angelika Stepken und Philipp Ziegler, die das Frankfurter Projekt kuratierten, knüpfen damit einerseits an die Tradition der ifa-Tournee-Ausstellungen an: Die Welt soll erfahren, was die Kunstschaffenden in Deutschland gerade so umtreibt. Kerstin Brätschs Gratwanderungen zwischen Kunst, Design und Marketing sind folglich ebenso vertreten wie Cyprien Gaillards archäologische Erkundungen der Moderne, die filmischen Reenactments von Dani Gal oder Annette Kelms kühle Konzeptfotografie. Das ist durchaus erwartbar. Überraschend dagegen ist, dass Stepken und Ziegler mit ihrer Auswahl und dem Katalog zur Schau gezielt den spekulativen Charakter des Konzepts Zukunft thematisieren, der zunehmend unseren Blick auf die Gegenwart prägt. Nie gab es so viele Ausstellungen über die Trends junger Kunst wie heute. Was sie versprechen, ist ein „first view“ auf die Stars von morgen, deren Karrieren oft erst durch eben dieses Versprechen auf einen sich künftig eingestellten Erfolg Dynamik entwickeln. Dass Joseph Vogl dieses Zukunftsmodell des Kunstbetriebs in seinem Katalogessay mit dem des Derivatehandels auf dem Finanzmarkt vergleicht, ist dabei alles andere als abwegig.   

Future Perfect: Contemporary Art From Germany. Verlag für Moderne Kunst Nürnberg 2013, 244 S., 38 Euro | 42.90 Franken.


Weltreise

ZKM

Lorenzstr. 19, Karlsruhe.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 2. März 2014.





Ifa
ZKM