16/12/13

Eva Raschpichler

Die Nürnberger Künstlerin nimmt sich der Nebenschauplätze des Alltags an und verleiht ihnen bleibenden Eindruck

von Fiona Hesse
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Eva Raschpichler, Scrolling 1, 2013

Die Nürnberger Künstlerin nimmt sich der Nebenschauplätze des Alltags an und verleiht ihnen bleibenden Eindruck

Es sind die kurzen, flüchtigen Momente voller Schönheit und Poesie, die von uns in geschäftiger Hektik gern übersehen werden. Eva Raschpichler (*1980), die 2010 mit dem Bayerischen Staatsförderpreis ausgezeichnet wurde, hat das künstlerische Potential dieser Augenblicke erkannt und verleiht ihnen einen bleibenden Eindruck. Wie der Zyklus der Natur aus einem immerwährenden Werden und Vergehen besteht, so sind die Arbeiten Raschpichlers Teil eines künstlerischen Kreislaufs, der mit der Wahrnehmung eines ästhetischen Moments beginnt und auch wieder in einen solchen übergeht. Ihre persönlichen visuellen Eindrücke verfremdet und inszeniert sie als Zeichnung, Collage, Fotografie oder projiziertes Bild und lässt sie so wieder in den Kreislauf jener Augenblicke einfließen, die von den Betrachtern erneut als Moment wahrgenommen und verarbeitet werden. Jede noch so flüchtige Erscheinung ist ihr wertvoll genug, um aufgegriffen und in neue atmosphärische Gesten umgewandelt zu werden.

Ihre Zeichnungen bestehen häufig aus nur wenigen, filigranen Strichen, die sich an einer horizontalen Linie orientieren. Hauptmerkmal sind dabei die Knicke und Falten, die in das Papier gearbeitet wurden. Im Spiel mit Licht und Schatten sind es unsere Assoziationen und Seherfahrungen, die aus den abstrakten Zeichen ein Motiv mit Wiedererkennungswert kreieren. „Kleine Zwischenfälle“ nennt Eva Raschpichler ihr Einwirken auf Material und Medium, das sich dann als „kleine Zwischendinge“ wiederum als künstlerische Arbeiten manifestiert. In ihren kurzen Videos, die zwischen ein paar Sekunden und mehreren Minuten andauern, entwickeln die digitalen Bilder eine fast schon analoge Ästhetik. In dem Video „Scrolling“ wird in Nahaufnahme das Scrollen eines PDFs gefilmt, welches ein buntes Geschenkpapier abbildet. Obwohl man manchmal die Struktur des Papiers erkennen kann, ist man sich trotzdem nicht immer sicher, ob man nicht doch auf das Webmuster eines Wolltuches schaut oder über eine felsige Landschaft fliegt. In einem anderen Video scheint sich die Zeichnung eines chinesischen Tanzpaares zu den heiteren Klängen einer Country-Gitarre zu bewegen, dabei ist es nur Wasser in einem Glas, was vor dem Motiv hin- und herschwappt. Auch, wenn man sich dessen bewusst ist, berührt einen doch die leichte Stimmung dieses Tanzes. Manchmal sind es auch die ganz einfachen, weit in der Kindheit vergrabenen Phänomene, die sie uns wieder vor Augen führt: in „C’est moi“ von 2002 lässt sie uns eine halbe Minute daran teilhaben, wie Atemspuren auf einer Glasscheibe wieder verschwinden. In „Point 88 II“ von 2006 zeigt sie drei Minuten und vier Sekunden lang, wie eine breite, schwarze Filzstiftlinie mit Wasser befeuchtet wird und sich die Tinte dann als feurig-farbige Schlieren auf dem Papier ausbreitet. Was in den Wissenschaften in strenger Versuchsanordnung beobachtet wird,  begegnet uns nun als Angebot, einen Moment innezuhalten und sich des eigenen Sehens, Wahrnehmens und Daseins bewusster zu werden.        

Eva Raschpichler.

Kunstverein Nürnberg

Kressengartenstr. 2, Nürnberg.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 14.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 16. Februar 2014.




Kunstverein Nürnberg