02/12/13

Kompakt und bodenständig

Eine Werkschau in der Städtischen Galerie Offenburg gibt einen Überblick auf das Schaffen von Werner Pokorny

von Susanne Ramm-Weber

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Werner Pokorny, Spiel I, 2013, Ausstellungsansicht Städtische Galerie Offenburg, November 2013, Foto: Frank Kleinbach

Eine Werkschau in der Städtischen Galerie Offenburg gibt einen Überblick auf das Schaffen von Werner Pokorny

Gerade hat Werner Pokorny (*1949), der bis vor kurzem Bildhauerei an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste lehrte, den Hans-Thoma-Preis 2013 erhalten. Nun gibt eine überaus stimmige Werkschau in Offenburg einen Überblick über seine Holzarbeiten, Zeichnungen und Cuts der vergangenen acht Jahre.

Die Präsentation in den Räumen der Städtischen Galerie folgt einem spielerischen Rhythmus von machtvollem Auftritt und bescheidener Zurücknahme, von Schwere und Leichtigkeit, Fülle und Leere, Abstraktion und Gegenstand. Als Konstante ziehen sich Objekte wie Haus, Gefäß, Rad, Turm und Leiter in symbolhaft abstrahierter Form in immer neuen Varianten durch das Werk und lassen gleichwohl in ihrer Zusammenfügung Spielraum für eigene Interpretationen.

Markant schwarz geflammt leben die großformatigen, aus afrikanischen Hölzern gefertigten Arbeiten vom exakten, austarierten Verhältnis zwischen dem Material, das weggenommen wurde und dem Material, das blieb. In seinen jüngsten Skulpturen befasst sich Werner Pokorny mit „Regal“, „Fenster“ und „Tor“. Das „Regal“, aus einem Stück gesägt, lässt sich als Altar des Künstlers verstehen: Auf dem Brett stehen die geometrischen Grundformen Würfel, Pyramide und Kugel neben Haus und Gefäß. Pokorny verhandelt hier die Grundbedingungen der Form. Alle drei geometrischen Körper finden sich in Haus und Gefäß sichtbar wieder, so dass zwischen den einzelnen Gegenständen der innere Zusammenhang, den der Regalboden formal stiftet, aufscheint. Die „Fenster“ hingegen, Wandarbeiten im statischen Rechteck, wirken wie Scherenschnitte in körperhafter Dimension. Das Haus entfaltet sich hier umrisshaft aus einer Linie. Die Arbeiten folgen dem Prinzip „weniger ist mehr“, je einfacher die Linienführung oder die Grundform ist, umso wirkungsvoller erscheint die Arbeit im Gesamten, absolut schnörkellos, kantig, geradeaus. Die neueste Arbeit, zwei Holzplatten, aus denen Hausformen ausgesägt sind, lassen diese wie einen unterbrochenen, im Uhrzeigersinn drehenden, gleichwohl offen bleibenden Kreis erscheinen, wobei die Leere der ausgesägten Hausform zum verbindenden Element der Holzplatten wird, ein absichtsvoll gearbeiteter Widerspruch in sich.

Pokornys Zeichnungen zeigen viel Verwandtschaft zu seinen bildhauerischen Arbeiten, atmen aber den freieren Geist des lockeren Strichs aus der Bewegung und zeigen einen spielerischen Umgang mit der verinnerlichten Formensprache. Einige Tusche-Zeichnungen stehen für sich. Dass man all dies nun in Offenburg sehen kann, ist nur konsequent. Werner Pokorny ist seit langem mit der Stadt Offenburg verbunden. Seit 1992 zieren zwei „Stadttorzeichen“ auf der Kinzigbrücke die Einfahrt in die Stadt, bereits 1996 präsentierte das Ritterhausmuseum eine Soloschau und im kommenden Herbst wird seine Arbeit „Endlos“ einen neuen Standort am Mühlenbach finden. Pokornys Formensprache ist sich seit 1992 im Wesentlichen gleich geblieben, im Laufe der Jahre wurde sie jedoch immer kompakter und bodenständiger.          

Städtische Galerie Offenburg

Amand-Goegg-Str. 2, Offenburg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13.0017.00 Uhr, Mittwoch 13.00 bis 20.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 19. Januar 2014.





Städtische Galerie Offenburg