17/11/12

Warum lächelt Mona Lisa?

„Don't smile“ heißt es im Kunstmuseum Liechtenstein. Das dürfte schwerfallen, geht es doch um das Thema Humor in der Kunst.

von Florian Weiland
Thumbnail

„Don't smile“ heißt es im Kunstmuseum Liechtenstein. Das dürfte schwerfallen, geht es doch um das Thema Humor in der Kunst. 8336ausstellungsansicht.jpg

ABCDEFGHI... – Das Alphabet. Kennt man. Aber haben Sie schon einmal gemerkt, dass sich darin das Grußwort „Hi“ versteckt? Kay Rosen (*1949) liebt es, mit Wörtern und Buchstaben zu spielen. „THEARTH“ prangt auf einem anderen seiner Wortbilder. Der Betrachter kann darin verschiedene Bedeutungen herauslesen. Das Wandbild, erklärt der US-Künstler, nehme Bezug auf „äußere und innere Momente“ des Zuhauses: von der Erde (Earth) über den häuslichen Herd (Hearth) bis „zur zutiefst persönlichen inneren Landschaft des Herzens (Heart), wo die Kunst (Art) wohnt.“ Darüber hinaus finden sich auch noch die Wörter Hören (Hear) und Ohr (Ear). Auch Bethan Huws (*1961) schätzt das Spiel mit Worten. Ihre Arbeit „Love Letters“ geht von der Doppelbedeutung von „Letters“ (Briefe, Buchstaben) aus. Doch statt Liebesbriefen zeigt ihr Textbild lapidar die 26 Buchstaben des Alphabets. „All Artists make Artworks“ verkündet die walisische Künstlerin auf einem anderen Bild. Eine Binsenweisheit? Oder eine augenzwinkernde Reflexion über die Bedingungen von Kunst und unsere Fähigkeit, sie als solche wahrzunehmen? Auf jeden Fall ein gutes Beispiel für die Art von Humor, mit dem sich die Ausstellung „Don't smile“ im Kunstmuseum Liechtenstein befasst. Mit leisem, nachdenklichem, manchmal auch verschmitztem Witz gehen die sieben Gegenwartskünstlerinnen und -künstler, die Kuratorin Christiane Meyer-Stoll ausgewählt hat, ans Werk. Klassische Positionen – darunter Arbeiten von Marcel Duchamp, Joseph Beuys oder Kurt Schwitters – lockern die Präsentation auf.

Ein Großteil der Werke übt sich in ironisch-kritischer Selbstreflexion. René Magrittes berühmtes Bild einer (gemalten) Pfeife („Ceci n'est pas une pipe“) muss mehr als einmal als Vorlage herhalten. Anna Kolodziejska (*1976), eine junge polnische Künstlerin, etwa stellt eine echte Pfeife aus, aus der statt Rauch eine Papierwolke aufsteigt. Ganz in der Nähe steht ein Reisekoffer, über den eine graue Decke gelegt wurde. Handelt es sich vielleicht doch um einen kleinen Elefanten, wie der Titel nahelegt? Kolodziejska spricht die Fantasie des Betrachters an. Zwei Fußmatten küssen sich. Herausgerissene Seiten aus einem Buch werden zu kleinen Papierschiffchen gefaltet. Der Titel des Buches: „Wagemut und Abenteuer“.
Bei vielen der ausgestellten Arbeiten erklärt sich der Witz erst durch den Titel des Werks. So wird ein einfacher Holzverschlag schnell zu Ghibertis Paradiespforte. Ein Einfall von Vaclav Pozarek (*1940), von dem auch die wunderbaren „Bildtafeln der Kunstgeschichte“ stammen. Der tschechische Künstler schneidet dafür seit Jahren Fotografien aus Zeitschriften oder Zeitungen aus und notiert am Rand den Namen eines Künstlers. Wer sich ein bisschen in der Kunstgeschichte auskennt, wird sich über diese neuen Zuschreibungen amüsieren können. Pozarek deckt ungeahnte künstlerische Verwandtschaften auf. Wer zweifelt da noch, dass die wuchtigen Kuhstallboxen nicht auch ein Werk von Richard Serra sein könnten oder das Kamel, das zwischen zwei Autos steht, eine Installation von Maurizio Cattelan?

Mitunter ist Humor jedoch auch eine ernste Angelegenheit. Josef Dabernig (*1956) etwa verwandelt den Ausstellungsraum in ein nüchternes Schulzimmer. Die dort präsentierten Arbeiten, darunter ein von Hand abgeschriebenes Buch über „Die Schönheit der Verdauung“ oder eine Statistik seines Zigarettenkonsums, haben etwas Zwanghaftes. Komisch sind sie nicht. Noch weiter scheint sich Rainer Ganahl (*1961) vom Thema zu entfernen, es geht ihm um Karl Marx und die Globalisierung. Doch wenn in einer seiner Videoarbeiten eine Frau eine wüste Schimpftirade in Chinesisch auf eine Karl Marx-Büste loslässt, muss man doch schmunzeln. Die Frage, warum Mona Lisa lächelt, wird auch in Vaduz nicht abschließend beantwortet. Das wohl bekannteste Gemälde der Kunstgeschichte lädt geradezu dazu ein, verspottet zu werden. Anne Marie Jehle (*1937) lässt die Schöne als Zeichen der Emanzipierung eine Zigarre rauchen. Oder ist es sogar ein Joint? Bei Robert Filliou hat sich Mona Lisa aus dem Staub gemacht. Zurückgeblieben sind ein Schrubber und ein Eimer. Zudem die kurze Notiz: „Bin in 10 Minuten wieder da – Mona Lisa“. Gibt es jemanden, der an ihre baldige Rückkehr glaubt?

Don't smile. Vom Humor der Kunst
Kunstmuseum Liechtenstein

Städtle 32, Vaduz.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 20. Januar 2013.
Kunstmuseum Liechtenstein