02/11/13

Fäden knüpfen

Die portugiesische Künstlerin Leonor Antunes besinnt sich in ihrer Arbeit auf Designerinnen und deren Wertschätzung des Handwerks

von Annette Hoffmann
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Leonor Antunes, the last days in chimalistac, Installationsansicht. Assembled, moved, re-arranged and scrapped continuously I, 2013; discrepancies with x, 2013; random intersections# 7, 2012, Assembled, moved, re-arranged and scrapped continuously II, 2013; random intersections # 4, 2009-12; discrepancies with x #1, 2013; random intersections # 8, 2013; chão II (floor II), 2011; random intersections # 9, 2013; random intersections # 10, 2013; random intersections # 11, 2013; Assembled, moved, re-arranged and scrapped continuously III, 2013, discrepancies with x #2, 2013, Courtesy the artist und Isabella Bortolozzi Galerie, Berlin; Marc Foxx Gallery, Los Angeles; Air de Paris, Paris; Luisa Strina, Sao Paulo, Kunsthalle Basel 2013, Foto: Gunnar Meier

Die portugiesische Künstlerin Leonor Antunes besinnt sich in ihrer Arbeit auf Designerinnen und deren Wertschätzung des Handwerks

Filigrane Netze, Seile, Halfter aus Leder und ein Strang sich drehender Holzstäbchen hängen von der Decke. Ihre gitterförmige Befestigung, die an ein Marionettenkreuz erinnert, greift die gläserne Kassettendecke der Kunsthalle Basel auf. Titel wie „assembled, moved, re-arranged and scrapped continously“ und „random intersections“ stehen für das Prinzip der Arbeiten von Leonor Antunes (*1972). Die portugiesische Künstlern ordnet die wiederkehrenden Strukturen immer neu an. Ihre Objekte, nah am Handwerk und dem Design, bieten sich dafür an. Die Bänder, in die hölzerne Stäbchen eingewebt sind, die Arrangements verhedderter Lederhalfter, die handgeknüpften Netze sind ohne weiteres an die räumlichen Begebenheiten des jeweiligen Ausstellungsortes anpassbar.

Leonor Antunes‘ Einzelschau „The Last Days in Chimalistac“, die im Erdgeschoss der Kunsthalle Basel zu sehen ist, verbindet die Wertschätzung des Handwerklichen mit biografisch aufgeladenen Referenzen. So bezieht sich der Titel auf ein Viertel in Mexico City, in dem die Designerin Clara Porset (1932-1981) ihre letzten Lebensjahre verbrachte. Porset, die bei Josef Albers in den USA studiert hat, war von den Ideen des Bauhauses beeinflusst und belebte traditionelle handwerkliche Techniken für das Design neu. Weitere Leitfiguren für Leonor Antunes sind, so kann man der Ausstellungsbroschüre entnehmen, die irische Designerin und Architektin Eileen Gray (1878-1976) und die in Italien geborene brasilianische Architektin Lina Bo Bardi (1914-1992).

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Leonor Antunes, the last days in chimalistac, Installationsansicht. Anni ‚# 1-‚# 10, 2013; Lina, 2013, Courtesy the artist und Isabella Bortolozzi Galerie, Berlin; Marc Foxx Gallery, Los Angeles; Air de Paris, Paris; Luisa Strina, Sao Paulo, Kunsthalle Basel 2013, Foto: Gunnar Meier

Wann fing die Rückbesinnung auf diese frühe Generation von Designerinnen an? Mit Janette Laverrière (1909-2011), die für eine ganze Reihe von jungen Künstlerinnen zu einem Missing Link zur Avantgarde wurde und einem Leben, das wie selbstverständlich Kunst und Arbeit verbanden? Es sind oft Frauen, die in den letzten Jahren eine derartige Verbindung herstellten und mit ihnen gerieten lange verpönte Techniken wieder in den Fokus. In „The Last Days in Chimalistac“ zeigt sich gleichermaßen, wie fetischisiert das Material, wie hermetisch die Geste des Adaptierens ist und wie nah sich die Kunst am Design bewegt. Im letzten Raum der Ausstellung liegen auf dem Boden ausgebreitet geflochtene Lederstücke, Paravents aus Eichenbrettern stehen daneben, die mit Nylonseilen zusammengenäht sind. Beleuchtet werden sie von Stehlampen, die selbstverständlich Teil des Ausstellungsdisplays sind. Leonor Antunes‘ System ihrer Kunst ist so komplex wie die filigranen Knoten ihrer Arbeit „Chão“, die sie wandfüllend aus einem goldenen Gummifaden geknüpft hat. Zugleich ist es mindestens so schön, und dies legt ein Problem offen: es fehlt die Reibung.

Leonor Antunes, The Last Days in Chimalistac.

Kunsthalle Basel

Steinenberg 7, Basel.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 17. November 2013.




Kunsthalle Basel