01/11/13

Fenster nach Deutschland

Das 5. Fotofestival Mannheim-Heidelberg-Ludwigshafen zeigt Aufnahmen der Fotoagentur Magnum

von Julia Neuert
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Olivia Artur, Entenfang Campingplatz, Müllheim, 2013

Das 5. Fotofestival Mannheim-Heidelberg-Ludwigshafen zeigt Aufnahmen der Fotoagentur Magnum

Täglich erreichen uns Bilder aus dem umkämpften Syrien, Millionen von Menschen fliehen. Der Krieg, die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland, aber auch die NSA-Datenaffäre bestimmen die jüngsten Diskussionen. Die Frage nach Grenzen ist aktueller denn je. Zwischen Privatem und Öffentlichkeit, zwischen Territorien, Heimat und Exil. Zu denen, die immer dort sind, wo gerade Konflikte herrschen und die Bilder liefern, zählen die Fotografen von Magnum – sie öffnen bis heute ein Fenster zur Welt. Die 5. Ausgabe des Fotofestivals Mannheim-Heidelberg-Ludwigshafen zeigt unter dem Titel „Grenzgänge“ derzeit Aufnahmen aus dem Fundus der weltweit renommierten Agentur, die 1946 in Paris gegründet wurde. Anders als vielleicht zu erwarten, kommt diese Schau jedoch ganz ohne die berühmten und oft reproduzierten Bilder von Magnum-Gründern wie Robert Capa, Henri Cartier-Bresson oder David Seymour aus. Stattdessen hat Kuratorin Andréa Holzherr zahlreiche unbekannte Aufnahmen aus dem Archiv geholt und die junge Generation der Magnum-Fotografen in den Fokus dieser Schau gerückt. Vier von ihnen schwärmten im Wahljahr 2013 in alle Himmelrichtungen aus und zeigen ihre ganz eigenen Eindrücke aus Deutschland. So überrascht die Ausstellung mit Aktualität, sie ist eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit Fragen unserer Zeit, an acht verschiedenen Orten.

Unter den Titeln „Exil“, „Deutschlandreise“, „Konversion“, „Zuhause“, „Community“, „Battleground/Afghanistan“, „Die Zelle“ und „Migrant Nations“ eröffnet jeder der Ausstellungsorte ein anderen Blick auf den Begriff der „Grenzen“. Eigen und sehenswert sind die Bilder von Olivia Arthur, Peter van Agtmael, Paolo Pellegrin und Moises Saman, die vier ganz unterschiedliche Blickwinkel widerspiegeln. Im Rahmen ihrer „Deutschlandreise“, einem Projekt, das in Kooperation mit dem Zeitmagazin entstand, sammelten sie zum Teil typische und doch gleichermaßen subjektive Momentaufnahmen. Alle Fotografien sind im Zephyr in Mannheim schlicht auf die Wände geklebt. Dass dabei der Eindruck entsteht, der Betrachter befinde sich mitten in einem laufenden Projekt, ist zweifellos beabsichtigt. Die Vielzahl an Bildern wirkt dennoch beinahe wahllos. Spannend aber bleiben die gänzlich unterschiedlichen Perspektiven von Pellegrins schwarz-weißen Querformaten lebloser Landschaften aus dem Braunkohleabbaugebiet Welzow bis hin zu den von Olivia Arthur festgehaltenen schrillen Karnevalsaufnahmen im Rheinland.

Menschen, die ihre Heimat verloren haben, stehen in der Kunsthalle Mannheim im Mittelpunkt. Neben einem historischen Rückblick aus der Perspektive der Magnum-Gründergeneration zeigt der zweite Teil der Ausstellung Flüchtlingsströme auf der ganzen Welt ohne jede zeitliche Ordnung. Die jüngsten Bilder stammen aus Jordanien, Tunesien oder von der syrisch-türkischen Grenze. Sie sind auf Holz aufgezogen. Der Betrachter muss sie in die Hand nehmen, um den Fotografen, das Jahr oder den Ort zu erfahren. Kriegerische Konflikte am Beispiel von Afghanistan dokumentiert der Heidelberger Kunstverein anhand einer Timeline von 1969 bis heute. Sie sind unmittelbar auf die Wände gedruckt. Überhaupt tragen die verschiedenen Präsentationsformen an allen Ausstellungsorten maßgeblich zur Spannung des 5. Fotofestivals bei. Ob sie gesellschaftliche Ausgrenzung thematisieren wie die Sammlung Prinzhorn, Sub- und Jugendkulturen wie der Kunstverein Ludwigshafen oder private Einblicke und intime Momente gewähren wie die Schau im Hack-Museum. Sie zeigt Einsichten in das Zuhause von Menschen auf der ganzen Welt und auch in das Leben der Fotografen.  

        

5. Fotofestival: Grenzgänge. Magnum – Trans-Territories.

Mannheim: Kunsthalle Mannheim, Stadtgalerie, Zephyr; Ludwigshafen: Kunstverein Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum; Heidelberg: Heidelberger Kunstverein, Sammlung Prinzhorn, halle02.   

Bis 10. November 2013.




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