31/10/13

Fernrohr durch den Raum

Kunststudierende aus Basel, Freiburg und Strasbourg haben sich mit den Räumen des Kunstvereins Offenburg-Mittelbaden und deren Geschichte befasst

von Susanne Ramm-Weber
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Jules Imbert, Rauminstallation im Kunstverein Offenburg-Mittelbaden, 2013, courtesy the artist, Foto: Susanne Ramm-Weber

Kunststudierende aus Basel, Freiburg und Strasbourg haben sich mit den Räumen des Kunstvereins Offenburg-Mittelbaden und deren Geschichte befasst

Der Offenburger Kunstverein lässt mit seiner aktuellen Schau einen ebenso anspruchsvollen wie frischen Geist in seine Räume einziehen. Neun Kunststudierende der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel, der Hochschule für Kunst, Design und populäre Musik in Freiburg und der Haute école des arts du Rhin in Strasbourg beteiligen sich an dem trinationalen Projekt „Hotel California“, das von Nicolas Kerksieck (Basel) und Nikolaus Bischoff (Freiburg) kuratiert wurde. Es ist Teil des von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia geförderten Projektes „triptic. Kulturaustausch am Oberrhein“. Die Studierenden befassten sich mit dem Sehnsuchts- und Selbstfindungsthema, das der 1976 veröffentlichte Hit „Hotel California“ der kalifornischen Band „The Eagles“ bereitstellt.

Das installativ-experimentelle Vorgehen der jungen Künstlerinnen und Künstler verändert die Räume hochgradig. Es beginnt mit einer Arbeit von Sonja Lippuner, die mit drei zeltähnlichen Bauten den Eingang und den Blick durch die lange Raumflucht versperrt. Dagegen nehmen sich die (Raum-)Zeichnungen von Caroline von Gunten aus dünnem Kupfergestänge geradezu minimal aus. Eine vollständige Veränderung der Dimension kennzeichnet den nächsten Raum. Marc Hartmann hat hier einen zweiten Boden mit absteigender Treppe eingezogen, das Fenster im Raum, das man sonst kaum wahrnimmt, gewinnt an Aufmerksamkeit. Florian Thate dagegen setzt mit einer wandfüllenden Graphitzeichnung seinen eigenen Körper ins Verhältnis zum Raum.

Diese räumlichen Setzungen flankiert eine Auseinandersetzung mit der Historie des Gebäudes als Kaserne. Die Zeitschicht gewinnt hier Ausdruck in Form von Stockbetten, ausgedruckten alten Fotografien und Interieur, das William Drummond besorgt hat. Einen krassen Kontrast dazu bildet eine flächendeckende Arbeit von Jules Imbert, der aus sieben Tonnen Sand und Wasser eine eigenwillige Sandhäufchen-Landschaft entstehen lässt. Auf ihren Gestaltwandel durch den Trocknungsprozess während der Ausstellungsdauer darf man gespannt sein. Ergänzend findet sich hier von Jorim Huber eine Videoprojektion als Loop von einem Teddybären im Boot, der auf einem Fluss vor grandioser Kulisse in die Ferne entschwindet. Evgeniij Gottfried und Caroline von Gunten haben im letzten Raum ein Pflanzenlabor eingerichtet, in dem Wasser-, Luft- und Lichtversorgung der Pflanzen über Bewegungsmelder und damit durch die Ausstellungsbesucher selbst gesteuert wird. Die hochpräzise und diffizilste Arbeit in dieser Präsentation stammt von Elise Alloin. Sie gewährt den fernrohrartigen Blick schräg durch die Wände vom letzten bis zum ersten Raum.

    

Hotel California. Arbeiten von Kunststudierenden aus Basel, Freiburg und Strasbourg.

Kunstverein Offenburg-Mittelbaden

Amand-Goegg-Str. 2, Offenburg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13.00 bis 17.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr

Bis 10. November 2013.

www.kunstverein-offenburg.de