29/10/13

Die Architektur lernte den Swing

Der Bildband „Aufbruch. Architektur der fünfziger Jahre in Deutschland“ betreibt eine Rehabilitierung der Nachkriegsarchitektur

von Annette Hoffmann

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Aufbruch. Architektur der fünfziger Jahre in Deutschland, Prestel Verlag 2012, 160 S., 39,95 Euro, 53.90 CHF

Der Bildband Aufbruch. Architektur der fünfziger Jahre in Deutschland betreibt eine Rehabilitierung der Nachkriegsarchitektur

Nachkriegsbauten sind in Deutschland nicht immer wohl gelitten. Zu einer differenzierten Sicht der Architektur der 1950er Jahre lädt der Band „Aufbruch“ ein, der auch eine Deutschlandreise des Fotografen Hans Engels ist. In seinem einleitenden Essay charakterisiert der Architekturkritiker Dieter Bartetzko die Bauten dieser Zeit einerseits durch eine Verdrängung des „Dritten Reichs“, andererseits durch eine optimistische Rückkehr zu Menschenwürde, Freiheit und Demokratie. Beton brut mit antifaschistisch gleichzusetzen, griffe jedoch zu kurz. Mitunter wurde die Ästhetik des Nationalsozialismus weiter getragen, doch mitunter lernte die Architektur den Swing. Viele Entdeckungen kann man unter den Fotografien von Engels machen, darunter Kirchen, Theater, Industriegebäude, Akademien. Über den kenntnisreichen Essay Bartezzkos hinaus wünschte man sich eingehendere Beschreibungen der Projekte. Das ist ein Manko des Bandes, der einen doch aufmerksamer durch die deutschen Städte gehen lässt.




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