28/10/13

Zu Tode getanzt

Der britische Filmemacher Peter Greenaway lässt den Basler Totentanz wiederauferstehen

von Annette Hoffmann

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Dance of Death, Fotos: Christoph Merian Verlag

Der britische Filmemacher Peter Greenaway lässt den Basler Totentanz wiederauferstehen

Laut Peter Greenaway steht es 7:107. Den 7 Milliarden lebenden Menschen stehen 107 Tote gegenüber. Grund genug, sich mit diesen zu befassen. Die Anfrage des Vereins Basler Totentanz traf den britischen Regisseur nicht unvorbereitet. Seit er mit 15 Jahren Ingmar Bergmans Film „Das siebente Siegel“ gesehen hatte – mit seinen einprägsamen Bildern vom Tod, der vier Männer und zwei Frauen mit sich zieht –, verließ ihn das Thema nicht mehr. Er hat sich die Toten in Palermo, Guanajuato und der Kapuzinerkirche in Rom angesehen. Und dann ist da noch etwas Anderes: „Wir sind nur für eine beschränkte Lebensdauer konzipiert. Wird sie ausgedehnt, bekommen wir ein Problem. Und wie es aussieht, haben wir ein Problem“, schreibt er in der Publikation, die das Kunstprojekt begleitet.

Der Basler Totentanz selbst ist zerstört. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Friedhofsmauer abgebrochen. Von dem immerhin 60 Meter langen Kunstwerk auf der Innenseite, dessen Maler unbekannt blieb, sind nur Fragmente erhalten. Sie befinden sich heute im Historischen Museum Basel. Greenaway nahm diese Leerstelle zum Anlass, sich von anderen, auch von späteren Werken beeinflussen zu lassen: vom Totentanz Hans Holbeins um 1538 und seinem Bild „Leichnam Christi im Grabe“ von 1521. Grundsätzlich ging es ihm dabei jedoch nicht um eine Rekonstruktion dieser spätmittelalterlichen Bildwelt. Seit der Tod im frühen 15. Jahrhundert alle Stände zum Tänzchen bat, wurden die Malereien immer wieder aufgefrischt, wohl auch um ihnen ein zeitgenössisches Aussehen zu geben. Greenaway löst den Totentanz von der Wand ab, seine eigentliche Leinwand ist die Projektionsfläche des Films. Wenn sein Totentanz am 31. Oktober in der Predigerkirche der Öffentlichkeit vorgestellt wird, sind auch wirklich tanzende Menschen zu sehen. Der Regisseur engagierte die italienische Tanzgruppe Aldes Company, die das historische Motiv in bewegte Bilder übersetzt. Was beim Basler Totentanz in seiner endgültigen Dynamik angehalten ist, gerät hier in Bewegung und reizt das Groteske des Todes, aber auch der Pestzeit aus. Und damit der Tod nicht gar zu historisch wird, erinnert Greenaways Film unter anderem auch an Athleten, Prostituierte, Exhibitionisten, Nerds und Anorak-Kids sowie Striptease-Artisten. Nicht, dass jemand denken könnte, ausgerechnet er würde verschont werden.      

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Peter Greenaway: The Dance Of Death.

Predigerkirche Basel

Täglich bis 22.00 Uhr.

31. Oktober bis 30. November 2013.Vernissage: 31. Oktober 2013, 18.00 Uhr.

Katalogbuch im Christoph Merian Verlag,

Basel 2013, 92 S., 26 Euro | 32 Franken.




Christoph Merian Verlag
Basler Totentanz