27/11/12

Besuch und Abschied

In der Städtischen Galerie Offenburg sind die hybriden Bildräume der Freiburger Malerin Susanne Kühn zu sehen.

von Annette Hoffmann
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In der Städtischen Galerie Offenburg sind die hybriden Bildräume der Freiburger Malerin Susanne Kühn zu sehen.Susanne Kühn

Mitunter wird es den Figuren auf Susanne Kühns Bildern einfach zu eng. Dann sprengen die Bildräume auf, Frauen rüsten sich zum Abschied oder kommen auf Besuch, die Isomatte unterm Arm. Gut möglich, dass es zu Übersprunghandlungen kommt. Dann brennt ein Feuer nicht vorm Haus, wo Vater und Sohn es richten, sondern drinnen, neben einem gotischen Kamin. Als könnte nur dies der rechte Ort dafür sein. Der Bildraum, wie ihn die in Freiburg lebende Malerin Susanne Kühn (*1969) konstruiert und wie er sich nun in einer Ausstellung von neuen Bildern und älteren Zeichnungen in Offenburg präsentiert, ist ein Hybrid. Er ist voller Versatzstücke des Tafelbildes aus der Zeit des Spätmittelalters und der Renaissance, doch die Postmoderne ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Gehölz dringt ein, mal stehen blaue Quader in der Luft ganz so als hätte der japanische Holzschnittkünstler Hokusai sie wie seine berühmte Springflut angehalten. Und es finden sich immer wieder anekdotische Hinweise: Stoffe, das Spielzeug der Kinder und auch die Figuren haben Ähnlichkeiten mit lebenden Personen.

Es ist viel, was Susanne Kühn auf ihren Großformaten vereint. Es ist nicht weniger als eine Synthese von Landschaftsmalerei, Interieur und Porträt. Fast wünschte man den Figuren von Susanne Kühns Bildern festes Schuhwerk, wenn sie sich etwa im Gehen begriffen noch einmal umdrehen, die Hand zum Gruß erheben und auf zerberstenden Stämmen und lose gewordenen Quadersteinen stehen.

Doch Susanne Kühn, die in Leipzig geboren wurde und dort auch an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte, kontrolliert ihre Malprozesse. Sie deutet mögliche Erzählungen an – nicht zuletzt durch Bildzitate wie etwa Jan van Eycks Arnolfini-Hochzeit – doch zugleich überführt sie diese Situationen in illusionistische Räume, die sich der Deutung entziehen. Das ist eklektisch, nicht zuletzt weil es der Künstlerin um Malerei geht. Eine junge Frau steht im Großformat „Besuch“ vor teilweise abgestorbenen Nadelhölzern, eine Tasche über dem Arm, auf dem ein Porträt abgebildet ist. Durch das Wäldchen ziehen rosa Wolken, rechts davon befindet sich als weitgehend autonomer Bildraum ein museal wirkendes Zimmer mit einer Schwarzwälder Tracht und einem Bollenhut. Das Bett mit dem roten Himmel könnte sich auch auf ein mittelalterliches Gemälde beziehen. Es braucht diese Tradition, um zu neuen Bildlösungen zu kommen.

Städtische Galerie Offenburg
Amand-Goegg-Str. 2, Offenburg.

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Freitag 13.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch, 13.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 13. Januar 2013.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.
Museum Offenburg