28/10/13

Dünner Plott mit Überbau

Friedrich von Borries Thesenroman "RLF. Das richtige Leben im falschen" kommt über Lifestyle nicht hinaus

von Pascal Jurt

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Friedrich von Borries: RLF. Das richtige Leben im falschen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2013, 251 S., 13,99 Euro | 20.90 Franken

Friedrich von Borries Thesenroman "RLF. Das richtige Leben im falschen" kommt über Lifestyle nicht hinaus

Hoppla, hier bettelt aber einer mal um Aufmerksamkeit. Mit viel Mediengetöse promotete gerade der umtriebige Design-Professor Friedrich von Borries neben seinen beiden Weltverbesserungsmaschinen-Büchern „Eine Geschichte des fortwährenden Scheiterns“ und „Die Rekonstruktion einer abstrakten Imagination“ (die man in pyramidaler-maschinaler Form auch vor dem Hamburger Bahnhof findet) vor allem seinen gerade erschienenen Thesenroman „RLF. Das richtige Leben im falschen“. Neben der Teilnahme mit gebrandete RLF-Multitude an der ausgerechnet friedlichsten Berliner 1. Mai-Demo ever, einer Ausstellung in einer stylish-brutalistischen Galerien-Kirche, in der man die Objekte mit der Botschaft „Show You Are Not Afraid“ betrachten durfte, wurde eben auch noch eine Firma, ein Store und eine Website gegründet.

Die Hauptfigur des Romans, der middle-aged Kreativdirektor Jan, entwirft eine Kampagne für den Turnschuh „Urban Force“ und gründet mit der Aktivistin Slavia und dem interventionistischen Künstler Mikael Mikael ein Unternehmen, mit dem er den Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen schlagen will. Neo-situationistische (Debord, K Foundation, Unsichtbares Komitee) und   Kommunikationsguerilla-Referenzen (Hakim Bey, Oliviero Toscani, Kalle Lasn), die in pompös runtergebrochenen, lexikonhaften Einschüben zusammen mit Mikro-Interviews  mit frechdachsigen Querdenkern wie Harald Welzer, Inna Schewtschenko und Joep van Lieshout den Überbau von RLF abgeben müssen, können den dünnen Plot auch nicht mehr retten. Fast möchte man meinen, die fabulierende und ins Alter gekommene Digitale Bohème, die inzwischen in Steve Jobs, Angela Merkel und Gerhard Schröder ihre Role Models ausgemacht hat, stehe hier in radikalinskisierter Variante wieder auf. Dass man damit in Zeiten omnipräsenter biokapitalistischer Intensitäts- und Lebendigkeits-Imperativen offene Türen einrennt, ist hier noch nicht angekommen. Man fasst es kaum.





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