24/10/13

Arrangement zu dritt

Gemeinschaftswerle mit individuellen Schöpfungen: Sara Masüger, Tanja Rosic und Loredana Sperini im Kunstmuseum Olten

von Heidi Brunnschweiler
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Tanja Roscic, Ohne Titel, 2012, Ausstellungsansicht Neuer Kunstverein Wien, 2012, © The artist & Freymond-Guth Fine Arts

Gemeinschaftswerle mit individuellen Schöpfungen: Sara Masüger, Tanja Rosic und Loredana Sperini im Kunstmuseum Olten


Wenn eine Institution wie das Kunstmuseum Olten drei Künstlerinnen die Aufgabe überträgt, die eigenen Werke zu kuratieren, wird der Begriff der Autorschaft nicht gleich hinfällig. Im Eingangsbereich der Ausstellung präsentieren Sara Masüger, Tanja Roscic und Loredana Sperini eine gemeinsam geschaffene Holzskulptur. Die industriell gesägten, mehrheitlich braun bemalten Balken bilden durch Überlagerung einfache geometrische Strukturen minimalistischer Prägung. An diesem Gemeinschaftswerk sind die Arbeiten der Künstlerinnen angebracht und durch die Saallegenden als individuelle Schöpfungen gekennzeichnet. Über einem Balken hängt da eine weisse, schlanke Harzplastik von Masüger, die einen organischen Abguss einer Hand mit Arm zeigt, der in eine glatte Schlauchform mit Blase ausläuft. Am Ende der Holzskulptur befindet sich eine Art Gegenstück, ein Arrangement aus amorphen schwarzen Epoxidharz-Knäueln, die an einem diffusen Geflecht von Kabeln um eine Glühlampe hängen. Es stammt ebenfalls von Masüger. Von Sperini sind sechs unauffällige, dunkel gefärbte Acrylharz-Dreiecke mit eingestellten Lippenabgüssen an der Holzskulptur angebracht, die mit dem Gegensatz geometrisch-organisch operieren. Roscics Eisenreifengebilde mit elf aufgespiessten Hutabgüssen um eine Gipsmaske hängt mit einem Seil an Flaschenzuggewinden am andern Ende.

Was durch die additive Präsentation im Eingang bereits anklingt, wird in den übrigen Räumen bestätigt. Die Ausstellung erweist sich als Parcours aus formalen und materiellen Korrespondenzen und Gegensätzen wie weich – hart, abstrakt – figurativ, schwarz – weiss, geformt – amorph, geometrisch – organisch. Leider gelingt es nicht, dem Formenspiel eine inhaltliche Ebene zu entnehmen. Die rhomboiden Strukturen und ihre Halbierung zum Dreieck, die in der Holzskulptur so deutlich sind, gehen wohl auf Sperinis Auseinandersetzung mit dem Kristall zurück. Man trifft sie in Sperinis Betonbildern mit weicher Wachs­applikation im sogenannten „Bilderkabinett“, wo sie die über den Kopfformen applizierten Karrees von Roscics Collagen variieren. Die geometrischen Formen unterstreichen in diesem Raum die Polarität von hartem Bildträger und weichem Auftrag, von Abstraktion und Figuration. Im Obergeschoss erscheinen die verzogenen Rechtecke in Roscics monumentaler, kantiger Glaskasteninstallation vor schwarzem Hintergrund neben Masügers amorpher, weisser Materialwand. Der Kontrast von Schwarz und Weiss zieht sich ebenfalls durch. Er findet in den zwei letzten Räumen eine besondere Pointierung. Hier folgen Masügers raffinierten Gussplastiken in Weiss, die von einer Seite figurativ und von der anderen abstrakt erscheinen, Sperinis abstrakte Installationen in Schwarz. Unter ihnen befindet sich ein Kisten­arrangement mit elektrisch rotierender Figur. Anklänge an Bruce Nauman kommen nicht nur hier, sondern in allen Räumen durch die fragmentierten Körperteile zustande. Die abgegossenen Hände, Arme, Beine, Münder von Masüger und Sperini sowie die genähten oder modellierten Gesichter und Köpfe von Roscics Arbeiten erinnern jedoch auch an Louise Bourgeois oder Alina Szapocznikow.

Motivisch am dichtesten ist der Raum im Erdgeschoss, wo Roscics Repertoire von Köpfen in Doppelung ausgestellt ist. Über eine Schwelle betritt man einen orange erleuchteten Raum mit verfüllten Fenstern. Es sind nicht zuletzt die Redundanz der Motive und die von den Künstlerinnen-Kuratorinnen vorgenommene Lichtmanipulation, die den Raum überfüllt sowie seicht und beliebig wirken lassen. Hier werden die Schwächen der gesamten Ausstellung stellvertretend deutlich: Weder entsteht in den einzelnen Räumen eine überzeugende Gesamtinstallation, die die Ausstellung zum Kunstwerk erhebt noch ist die Auswahl und Anordnung der Werke restriktiv und verdichtet genug, um eine inhaltliche Bedeutungsebene zu erzeugen.             

 

Sara Masüger, Tanja Roscic, Loredana Sperini: Fare Thee Well, Miss Carousel.

Kunstmuseum Olten

Kirchgasse 8, Olten.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 14.00 bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 17. November 2013.




Kunstmuseum Olten