03/10/13

Der Verlag als Skulptur

Publisher, Performer, Partisan im Kunstbuchmarkt? Wer zum Teufel ist Mark Pezinger? Ein Interview mit einer multiplen Persönlichkeit

von Leon Hösl
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Mark Pezinger, Rauminstallation 2011

Publisher, Performer, Partisan im Kunstbuchmarkt? Wer zum Teufel ist Mark Pezinger? Ein Interview mit einer multiplen Persönlichkeit

Der Mark Pezinger Verlag wurde 2009 von den Künstlern Thomas Geiger und Karsten Födinger gegründet und hat seinen Sitz heute in Berlin und Wien. Neben Künstlerbüchern in unterschiedlichen Auflagen finden sich Kataloge und Soundarbeiten im Programm. Derzeit ist eine Ausstellung des Verlags bei Pioneer Works in New York zu sehen. Ein willkommener Anlass für unseren Autor Leon Hösl, Mark Pezinger zum auffallend engen Verhältnis von Buch und Performance im Konzept des Verlags zu befragen.

artline: Herr Pezinger, Sie haben einmal geschrieben: „better than only one Pezinger are many of them“. Wer sind diese Pezingers?

Mark Pezinger: Im Prinzip ist dieser Verlag eine Art Skulptur, zu der verschiedene Künstler beitragen. Die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Künstler schaffen die Breite des Programms, das von Unikaten über Soundarbeiten und Performances bis zu höheren Printauflagen reicht.


artline: Wie haben die Soundarbeiten in das Verlagsprogramm gefunden? Gibt es einen Link zum Medium Künstlerbuch?

Mark Pezinger: Alle Soundarbeiten, die wir veröffentlichen, haben eine direkte Verbindung zur Sprache – einige davon sind sogar Hörbücher im eigentlichen Sinne. Ein Beispiel ist der „Telefonolog“ des Schweizer Künstlers Eric Hattan, der auf einem Telefongespräch zwischen ihm und seinem Galeristen über die kommende Ausstellung gründet. Man hört hier lediglich Hattan sprechen, wie er in einem Monolog von den Ideen seiner Ausstellung erzählt und somit eine Ausstellung in Sprache herstellt. Noch deutlicher wird das Thema in Katrin Herzners Live-Hörbuch OST. Seit drei Jahren geht die Künstlerin eine möglichst gerade Linie gen Osten und lässt Anrufer über ein Mikrofon an ihrem Abenteuer teilhaben.


artline: Viele Publikationen Ihres Verlags dokumentieren performative Handlungen in Buchform. In welchem Verhältnis stehen Buch und Performance?

Mark Pezinger: Das Buch als Träger von Information kann ein Weg sein, um performative Handlungen aufzufangen und nachzuerzählen. Was mich aber interessiert, ist, wie solche Dinge nicht nur dokumentiert werden, um etwas zu konservieren, sondern wie es dem Buch oder dem Heft gelingen kann, der zeitlichen Handlung ein neues Leben zu geben und eine neue Gegenwart zu schaffen.

 

artline: Auch die Finanzierung des Verlags ist als Performance Teil des künstlerischen Konzepts ...

Mark Pezinger: Ja, die Performance „I want to become a millionaire“ von Thomas Geiger ist seit 2010 das finanzielle Rückgrat des Verlags. Geiger verkauft im öffentlichen Raum signierte und mit fortlaufender Editionsnummer versehene Zettel für den Preis von je einem Euro an Passanten. Der Verlag wirtschaftet mit diesen Mitteln und realisiert davon seine Publikationen.

 

artline: Ihre jüngste Publikation ist der erste Verlagskatalog von Mark Pezinger. Er besteht zum großen Teil aus Beiträgen von Künstler, die um ein Porträt von Mark Pezinger gebeten wurden. Diese Porträts wurden mit Abwandlungen populärer Slogans versehen und zu Werbung für den Verlag verarbeitet. Welche Überlegung steckt dahinter?

Mark Pezinger: Das „Markazin“ spielt mit den Strukturen und dem Image der Life-Style Magazine, die gerade im Kunstkontext wie Pilze aus dem Boden schießen. Es gibt also ein Editorial, Fotostrecken mit einer Auswahl einzelner Publikationen und natürlich Werbung. So entstand ein ironisches Geflecht aus Kunst und Kommerz, das die Vielfältigkeit des Verlages „bewirbt“.

 

artline: Sie sind regelmäßig auf Messen unterwegs. Wie sehen Sie den Kunstbuchmarkt, der ja immer schneller zu wachsen scheint?

Pezinger: Je stärker das kommerzielle Buch zur Digitalisierung drängt, desto mehr Raum entsteht für kleine Verlage mit einem experimentelleren Programm. Das Künstlerbuch in seinen verschiedenen Ausprägungen ist auf jeden Fall ein Bereich, der unter diesem neuen Interesse am Medium Buch auflebt. Auf Künstlerbuchmessen und in spezialisierten Buchhandlungen, die abseits des normalen Buchhandels funktionieren, wird so ein neuer Diskurs geschaffen.

 

About Mark Pezinger, Mark Pezinger Berlag, Wien, Berlin 2013.

Vom 5. bis 27. Oktober 2013 ist der Mark Pezinger Verlag zu Gast bei der Kunststiftung Erich Hauser, dort wird die Neuerscheinung Benjamin Appel vorgestellt.





Verlag Mark Pezinger