30/09/13

Role Model eines Galeristen

Fünfzehn Museen würdigen den Sammler und Kunsthändler Alfred Flechtheim

von Annette Hoffmann
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Alfred Flechtheim in der Léger-Ausstellung, Berlin 1928, Foto: Atelier Lily Baruch, Königliche Bibliothek Kopenhagen | © The Royal Library

Fünfzehn Museen würdigen den Sammler und Kunsthändler Alfred Flechtheim

Ausgerechnet Alfred Flechtheim. Jener Galerist, der – bevor er überhaupt daran dachte, in den Kunsthandel einzusteigen – Ex Libris anfertigen ließ und die Initialen seines Namens zu einem Corporate Design verband; der die Ausstellungen seiner Galerien mit schön gestalteten Katalogen begleitete; ausgerechnet dieser Ästhet sollte die Bilder seiner Sammlung mit einem schlecht gemachten Porträt in expressionistischer Manier versehen haben? Das konnte nicht sein. Tatsächlich waren es diese Etiketten, die die Sammlung Jägers 2011 als Fälschung entlarvten. Flechtheim (1878-1937) wäre das nicht passiert. Er wusste, womit er handelte. Dass die Aufkleber lange für echt gehalten wurden, mag nicht allein am Geschäftssinn all jener gelegen haben, die von Wolfgang Beltracchis Fälschungen profitierten, Flechtheims Fama war womöglich einem solchen Detail abträglich. Denn er war eine schillernde Figur. Als Kunsthändler gab er sich nicht nur polyglott, seine Liebe zu Paris deckte sich mit der Begeisterung für Maler wie Léger, van Gogh, Gris, Picasso oder Degas, er besuchte leidenschaftlich gern Boxkämpfe und führte im Berlin der 1920er Jahre das Leben eines hedonistischen Großstädters. Während des „Dritten Reichs“ wurde er als Propagandafigur des jüdischen Kunsthändlers diffamiert, sein Engagement für den rheinischen Expressionismus und die Moderne liest sich im Katalog zur Ausstellung „Entartete Kunst“ dann so: Diese Abteilung „nimmt den größten Raum der Ausstellung ein und enthält einen Querschnitt durch die Ausgeburten sämtlicher ‚Ismen’, die Flechtheim, Wollheim und Cohnsorten im Laufe der Jahre ausgeheckt, gefördert und verramscht haben.“ Flechtheim, der in seinen besten Zeiten Galerien in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Köln und Wien unterhielt, verlor 1933 mit seiner Sammlung und der Berliner Galerie nicht nur seine finanzielle Grundlage, sondern auch seinen Lebensinhalt. Immer wieder sind Werke aus seinem Besitz Gegenstand von Restitutionsverfahren, zuletzt war das Museum Ludwig betroffen.

Fünfzehn deutsche und Schweizer Institutionen haben sich 100 Jahre nach der Gründung seiner ersten Galerie nun zu dem ungewöhnlichen Projekt „Alfred Flechtheim. Kunsthändler der Avantgarde“ zusammengetan, das aus Ausstellungen und einer Internetplattform besteht. Sie alle haben Werke in ihren Sammlungen, die mit Flechtheim verbunden sind. Ob mit dieser späten Würdigung Alfred Flechtheim Genüge getan ist, entscheiden jedoch die Gerichte. Die Seite www.alfredflechtheim.com ist ab 9. Oktober 2013 online. 




Alfred Flechtheim