29/08/13

Die Fastnacht kann's auch leise

Axel Hoedt, Einmal im Jahr, Göttingen, Steidl 2013, 104 S., 28 Euro, 43.90 CHF

von Annette Hoffmann
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Endinger Stadttier, aus: Axel Hoedt, Einmal im Jahr, Steidl Verlag, Göttingen 2013

Axel Hoedt, Einmal im Jahr, Göttingen, Steidl 2013, 104 S., 28 Euro, 43.90 CHF

Die Fastnacht ist im Grunde ja eine ernste Angelegenheit. Auch wenn Rheinländer dies anders sehen mögen. Mit seinem Fotoband „Einmal im Jahr“ zeigt der in London lebende Axel Hoedt sie von ihrer wirklich ernsthaften Seite. Geboren wurde Hoedt 1966 in Freiburg. Von hier ist es nicht weit zu den Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, die in Süddeutschland vor allem auf dem Land, in Dörfern und Kleinstädten wie Endingen, Villingen, Wolfach oder Kißleg begangen wird. Hoedt vermeidet Umzüge, er führt die Tristesse von Straßendörfern vor und wie Wälder den Blick abschneiden. Manchmal fotografiert er einen Reisigbären mit seinem Treiber, wie man ihn in Empfingen kennt. Das Kostüm besteht ganz aus Tannenzweigen, die seinen Träger unkenntlich machen. Dann bemerkt man, welch anarchischen Witz die Fastnacht eigentlich hat, ein Witz, der die dunklen Seiten dieser Landschaft – ihre Armut und Beengtheit – kennt. Meist jedoch hat Hoedt die Narren vor seine weiße Hohlkehle gebeten. Dadurch umweht ein Hauch von Einsamkeit diese Röslehansel und Butzenzuttel mit ihren Halskrausen sowie roten Pompons und dem aufgestellten Tannenzweig. Jedes lärmige Treiben scheint weit weg und man beginnt sich für ihre Geschichten zu interessieren, etwa die der ursprünglich siebenbürgischen Urzeln – merkwürdige bemalte und mit Pelz verbrämte Gittermasken, die im 16. Jahrhundert in Rumänien als Mummenschanz in Zunftbräuche eingebunden waren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden sie in Sachsenheim zur Fastnacht aufgeführt und belebten dort die heimischen Bräuche. Hoedt zeigt die schwäbisch-alemannische Fastnacht von ihrer stillsten und ihrer poetischsten Seite.




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