04/07/13

Grüne Daumen im Kunstbetrieb

Der Berliner Prinzessinnengarten ist in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden zu Gast.

von Annette Hoffmann
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Prinzessinnengarten in Berlin (© Marco Clausen / Prinzessinnengarten)

Der Berliner Prinzessinnengarten ist in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden zu Gast.

Über das Gärtnern im Allgemeinen, hängende und stehende Balkontomaten, Mehltau oder gar Schnecken konnte man lange nur mit Leuten reden, die die falschen Klamotten trugen. Nutzgärten standen unter dem Ruf des Uncoolen, erinnerten sie doch an Notzeiten, in denen ein Kleingarten zum Überleben notwendig war und an Pflanzpläne für Parzellen, deren Pacht man verlor, sobald man gegen sie verstieß. Doch auch die Städtebewohner sind lockerer geworden und Gärten gelten als hip. So hip, dass das Urban Gardening auch im Kunstbetrieb angekommen ist. Nicht, dass Gärten und Kunst einander fremd wären, doch die neue Gartenkultur erobert sich neue Vorstellungen vom Urbanen und vom Sozialen. Bald, so lauten die Prognosen, werden mehr Menschen in Städten als auf dem Land wohnen. Sollen sie der Natur entfremdete Spezialisten sein, die zu ernähren, es weite Transportwege braucht?  Und Gemeinwohl kann auch bedeuten, dass noch genug Lauch für den nächsten da ist.

In Andernach begann die Stadt vor einigen Jahren öffentliche Grünflächen zu Obst- und Gemüsegärten um zu nutzen. Am Theater Freiburg wurden in diesem Frühjahr Hochbeete für Mangold, Tomaten und Salat auf den Grünflächen aufgeschüttet, das Museum für neue Kunst Freiburg hegt ähnliche Pläne und die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden hat den Berliner Prinzessinnengarten in die Kurstadt eingeladen. Dort wird an zwei Schulen gesät und gepflanzt, dann sollen die mobilen Beete durch die Stadt wandern und am Ende in das Foyer und das Café der Kunsthalle als temporäre Installation einziehen. 2009 begannen einige Enthusiasten am Moritzplatz in Berlin Kreuzberg einen gemeinschaftlich genutzten Garten anzulegen und zu pflegen. 500 verschiedene Kräuter und Gemüsesorten werden hier angebaut, Bienenvölker sorgen für die Bestäubung und ein Gartencafé und ein Restaurant verarbeiten einen Teil des Gemüses, deren Einnahmen in den Erhalt der Initiative gehen. Marco Clausen, mit Robert Shaw Gründer des Prinzessinnengarten, sieht sich weniger als Profi, sondern als sozialer Gärtner. Denn die Mit-Gärtner stellen den Bevölkerungsquerschnitt Kreuzbergs dar. Es ist also auch der Zusammenhalt des Stadtteils, der hier gedeiht.             


 




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