25/06/13

Bonbons für die Augen

Die US-Amerikaner Wade Guyton und Kelley Walker im Kunsthaus Bregenz

von Birgit Kölgen
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Guyton Walker, Guyton/Walker, Kelley Walker, Ausstellungsansicht 3. OG., Kunsthaus Bregenz, Foto: Markus Tretter, © die Künstler und Kunsthaus Bregenz

Die US-Amerikaner Wade Guyton und Kelley Walker im Kunsthaus Bregenz

 

Im Amerikanischen steht das gleiche Wort für Tingeltangel, Theater und ambitionierte Ausstellungen: Alles ist „show“. Anders als old Europe geniert sich die Neue Welt kein bisschen, das Banale und das Erhabene, das Unterhaltsame und das Ernsthafte zu vermischen. Die New Yorker Wade Guyton und Kelley Walker, beide Anfang 40 und erfolgreich im internationalen Kulturbusiness, machen in diesem Frühjahr eine Show im Kunsthaus Bregenz. Das wird ein „eye candy“, ein Bonbon fürs Auge, versprachen sie dem Direktor Yilmaz Dziewior. Und tatsächlich: Die Ausstellung sieht richtig gut aus, fast möchte man sagen: schick.

Auch wenn Dziewior wie immer für den theoretischen Überbau sorgt und „die kritische intellektuelle Rezeption“ beschwört, muss der Besucher diesmal nicht lange grübeln. Wie die alten Pop-Art-Meister kennen sich Guyton und Walker aus mit Oberflächen und Wirkungen. Ihre Bilder sind Muster und Zeichen, oft von kleinen eingescannten Papieren, die sie am Computer bearbeiten und auf Leinwand drucken lassen. Das klingt schlicht – ist aber raffiniert, zumal die beiden Künstler sehr wohl die Umgebung in ihr ästhetisches Konzept einbeziehen. Die grau changierenden Streifenbilder von Wade Guyton im ersten Stock passen einfach optimal auf die polierten Betonwände des Zumthor-Baus – und gegenüber glitzert rot und golden ein in Spiegelglas geschnittener riesiger Rorschach-Test von Kelley Walker: „I see a fast change, a snap decision“, ich sehe eine schnelle Veränderung, eine Blitzentscheidung. Der Titel bezieht sich ironisch auf das beliebte psychologische Spiel. Doch in erster Linie ist so ein Objekt ein Prachtstück für repräsentative Vorstandsräume.

Guyton und Walker sind gut im Geschäft. Und sie sind gute Kumpels, „good friends for 20 years“, verrät Guyton. Die Freunde arbeiten gern zusammen – da hatten sie eine Idee, die ihre Produktpalette gewinnbringend erweitert. Seit 2004 schaffen sie außer Einzelwerken auch noch Kunst als Duo. Guyton/Walker heißt das dann und ist, betont Dziewior, wie eine eigenständige Person, die sogar von einer anderen Galerie vertreten wird. In Bregenz werden nun erstmals alle drei Positionen munter vereint: Guyton, Walker und Guyton/Walker. „Eine kleine Sensation“, sagt Dziewior. „Makes fun“, meint Guyton. Und recht hat er. Für den zweiten Stock des Bregenzer Hauses schufen Guyton/Walker eine 15 Meter lange schräge Wand aus grau-bunt bedruckten Gipsplatten. Vorn und hinten an der Wand hängen wiederum Einzelwerke: ein leuchtend blaues Bild von Guyton und eine typische Kombination von Walker, der eine Druckserie aus einer Reklameseite mit Andy Warhol gemacht hat. Wie der 1987 verstorbene Superstar der Pop-Art bedient sich Walker jederzeit gern in der Werbung und druckt gerollte und umgeblätterte Illustrierten-Seiten auf kleinere Platten. Für größere Formate konstruiert er Mauern aus ausgestanzten Magazinen auf weißen Siebdruckflächen. Die Lifestyle-Welt ist sozusagen, wie Dziewior sagt, „der Mörtel“ für die Ziegelsteinbilder, mit denen Walker bekannt wurde. Eine relativ subtile Arbeit.

Das kann man von den Gemeinschaftswerken der Marke Guyton/Walker nicht sagen. Im dritten Stock knallt dem Publikum diese fröhlich-verrückte, unbefangene Kunst entgegen. Mit Designs, die auf Tücher oder Blusen passen würden – bunte Streifen und Schwünge, Zebra- oder Schachbrettmuster, Früchte hier, Sonnenuntergänge da und dazu ein paar schöne Alpenfotos – haben die Boys 29 Matratzen und 13 Tische bedrucken lassen. Und zwar komplett, von oben, an der Seite und von unten, weshalb alles aufrecht steht oder an der Wand lehnt. Sechsstellige Dollarpreise werden locker für so ein kurioses Stück bezahlt. Passt sicher very nice in eine rosa Villa in Miami, aber auch im grauen Museum bei uns hebt es die Laune. Auch wenn eine der Matratzen den Titel „Knifekillszebrakillsknife“ (Messer tötet Zebra tötet Messer) trägt, sollte uns das inhaltlich nicht beunruhigen. Guyton/Walker machen einfach ihre Show.           

 

Wade Guyton, Guyton/Walker, Kelley Walker.

Kunsthaus Bregenz

Karl-Tizian-Platz, Bregenz.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 21.00 Uhr. Bis 30. Juni 2013.

Zur Ausstellung erscheint Ende Juni ein Katalog, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2013, 212 S., 44 Euro | ca. 62 Franken.

 

 




Kunsthaus Bregenz