18/06/13

Fanal der Freiheit

Eine Gruppenschau im Kunstpalais Erlangen befasst sich mit einem Thema von politischer Dimension.

von Friedrich J. Bröder
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Lars Ø. Ramberg, Big Prison, 2013, Foto: Erich Malter

Eine Gruppenschau im Kunstpalais Erlangen befasst sich mit einem Thema von politischer Dimension.

Blutrot zur Vernissage an die Wand gesprüht, leuchtet das Fanal der Freiheit an der Wand. So empfängt es den Besucher des Städtischen Kunstpalais Erlangen und stimmt ihn auf eine Ausstellung von politischer Radikalität ein, wie man sie nicht täglich sieht. Und nach mehreren Versuchen ist es der Leiterin des Städtischen Kunstpalais Erlangen Claudia Emmert auch gelungen, den chinesischen Regimekritiker und Künstler Ai Weiwei virtuell an der Ausstellung zu beteiligen. Während der gesamten Laufzeit der Ausstellung ist Ai Weiwei via Twitter mit einem Live-Stream zugeschaltet und der Besucher kann auf einem riesigen Bildschirm nicht nur verfolgen, wie der Künstler auf die weltweit bei ihm eingehenden Botschaften reagiert, sondern sich auch selbst kritisch zu Wort meldet. Auf einer eingeblendeten Bilderleiste wird zudem sichtbar, wie er die 24-stündige polizeiliche Überwachung seines Hauses durch vier Kameras unterlief, die er in seinem Haus aufstellte. Sie zeigen ihn nun bei ganz alltäglichen Handlungen in seinem Garten, in der Küche, beim Schlafen oder im Büro. Ai Weiwei machte diese Bilder auf seiner Webseite (www.weiweicam.com) öffentlich, um der Welt seine vom Staat unterstellte Gefährlichkeit vor Augen zu führen.

Freiheit, das demonstriert Ai Weiwei hier, ist letztlich ein ziemlich abstrakter Begriff, der sich nicht so leicht visualisieren lässt. Daher zeigt die Ausstellung vor allem die Abwesenheit von Freiheit, die „Unfreiheit“, wie sie sich in den überwiegenden künstlerischen Arbeiten, in Filmen und Videos manifestiert. Das macht die Ausstellung nicht minder spannend. Es gibt ihr aber auch einen nachdenklich machenden Unterton, zeigt sie doch, wie es in aller Welt mit der Freiheit bestellt ist. Es sind vor allem jene Arbeiten der zwölf Künstler, viele von ihnen waren bei der documenta oder den Biennalen in Venedig und Berlin beteiligt, die sich mit dem Nahen Osten und den Ländern des „Arabischen Frühlings“ befassen und dies beeindruckend vor Augen führen.

Wo dabei die Dokumentation und politische Manifestation aufhört und die Kunst anfängt, ist nicht immer auf den ersten Blick auszumachen. Das tut aber der Eindringlichkeit keinen Abbruch, wie etwa die Drei-Kanal-Videoarbeit „The Promised Land“ des dänischen Künstlers Nikolaj Bendix Stynum Larsen zeigt, die das Schicksal von asylsuchenden afghanischen und iranischen Flüchtlingen aufgreift, die in Calais in unmittelbarer Nähe des „gelobten Landes“ Großbritannien gestrandet sind.

In verlassenen Badekabinen unter menschenunwürdigen Zuständen, ohne Wasser, Strom und sanitäre Einrichtungen führen sie ein erbarmungswürdiges Leben auf Abruf. Der norwegische Künstlers Lars Ø. Ramberg hingegen thematisiert in seiner Video-Installation „Big Prison“ das Leben des israelisch-arabischen Nukleartechnikers Mordechai Vananu, der an einem israelischen Atomwaffenprogramm mitarbeitete und Details der „Sunday Times“ zukommen ließ und daraufhin von einem israelischen Gericht zu 18 Jahren Gefängnis wegen Hochverrats verurteilt wurde. Elf Jahre verbüßte er in Isolation. Seit seiner Freilassung 2004 steht er in Ostjerusalem unter Hausarrest und darf sich nur in eng begrenzten Arealen bewegen und weder Interviews geben noch sich auswärtigen Botschaften nähern. Und so irrt er, was der Film in ruhigen Bildern zeigt, auf den immer gleichen Wegen wie Ahasver durch die Straßen, eine Persona non grata im eigenen Land.

Die Ohnmacht der Freiheit schließlich dokumentiert eine Video-Collage von Handy-Aufnahmen vom „Arabischen Frühling“, wie sie auf den informellen Kanälen von Youtube, Facebook und Twitter verbreitet wurden. Sie zeigen die Euphorie, die Aufbruchsstimmung und die Hoffnungen einer Jugend, deren Freiheitswille leuchtet wie ein Fanal, aufflammte und wie ein Strohfeuer ausgetreten wurde.   

Freiheit!

Kunstpalais Erlangen

Marktplatz 1, Erlangen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 10.00 bis 20.00 Uhr.

Bis 30. Juni 2013.




Kunstpalais Erlangen