12/06/13

Marta Riniker-Radich

Marta Riniker-Radich Die Schweizer Künstlerin Marta Riniker-Radich erforscht das kollektive Bildgedächtnis mit dem Buntstift.

von Fiona Hesse
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Marta Riniker-Radich, Lautner 2.0, 2012, Courtesy the artist und Francesca Pia

Die Schweizer Künstlerin Marta Riniker-Radich erforscht das kollektive Bildgedächtnis mit dem Buntstift.

In einer Kunstwelt, in der die eingerosteten Türen zu greisen Gattungen einmal mehr durch eine junge Generation von Künstlern geölt werden, ist die Begegnung mit Marta Riniker-Radichs kleinformatigen Zeichnungen fast wie eine Heimkehr. Allerdings sollte man sich von der verlockenden Atmosphäre einiger Arbeiten von Riniker-Radich (* 1982) nicht täuschen lassen, schnell findet man sich sonst an einer bedrohlich düsteren Straßenecke eines amerikanischen Vororts wieder, inmitten bizarrer Pflanzenwelten oder starrt wie paralysiert auf Lichterscheinungen, die schwerelos im Luftraum stehen. In fast all ihren Bildern und Collagen greift die in Bern geborene Künstlerin tief in das kollektive Bildgedächtnis, was uns glauben lässt, Vertrautes und Altbekanntes wiederzuentdecken. Eindrücke aus den Sky Spaces James Turrells, Anleihen aus Gregory Crewdsons gruseligen Suburbszenarien oder Elemente wichtiger zeitgenössischer Architektur-Versatzstücke aus allen Kunstsparten fügen sich zu traumhaften, vor allem menschenleeren Kulissen zusammen. Es fasziniert, wie schnell man dem Reiz von Marta Riniker-Radichs Zeichnungen erliegt, vor allem dem Widersprüchlichen, das sie aussenden. Entdeckt man hinter dem Kristalltor das Paradies oder erliegt man nur seinem eigenen Schubladendenken? Dass sie nicht etwa in der Schweiz aufgewachsen ist, sondern auf einer US-amerikanischen Militärbasis in Panama, unterstreicht einmal mehr, wie sehr Marta Riniker-Radich Kind der Zeitumstände ist. Der Griff zum Buntstift ist daher für sie keine Rückkehr zu einem überkommenen Bildmittel, er zeigt vielmehr auf beeindruckend leichte Weise, wie es ihr gelingt, sich die künstlerischen und kulturellen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts zu eigen zu machen und in neue visuelle Erfahrungsangebote umzuwandeln.                  

Marta Riniker-Radich bei Francesca Pia (Zürich), Art Basel, Messe Basel.

 




Francesca Pia