09/06/13

Michael Meier & Christoph Franz

Die Träger des Nationale Suisse Kunstpreis 2013 fragen in ihren Arbeiten nach der Bedeutung von Lebensraum.

von Annette Hoffmann
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Michael Meier & Christoph Franz, Tankstelle, Art and the City, Zürich,
2012, © Tobias Madörin

 

Die Träger des Nationale Suisse Kunstpreis 2013 fragen in ihren Arbeiten nach der Bedeutung von Lebensraum

 

In der ehemaligen Kampfsportschule im Westen Zürichs hört es sich nach Arbeit an. In acht Tagen beginnt in Basel das Wildwuchs Festival. Da muss wohl noch Einiges mehr gesägt und gebohrt werden. Zusammen mit Fabian Jaggi, Katrin Murbach und Florian Stirnemann werden Michael Meier und Christoph Franz dort das „Motel Basel“ eröffnen. Während des Festivals dient es als Bar und Spielstätte. Es ist ein Auftrag, wie er nun des Öfteren an das Zürcher Künstlerpaar und seine Kollegen geht. Sobald es eine temporäre, Menschen verbindende Architektur braucht, denken Theater oder Museen an die diesjährigen Nationale Suisse-Kunstpreisträger. Für das Theater Freiburg versahen sie so eine frühere Kneipe mit einer Holzfassade und machten aus einer Wiese einen Ort mit Anpflanzungen, Grasmulden und einem Steg.

 

Dorothee Messmer erbat sich gar von Michael Meier (* 1980) und Christoph Franz (*1982) einen richtungsweisenden Anfang ihres Ausstellungsprogramms für das Kunstmuseum Olten. „Aufmachen? Aufmachen!“, die erste größere Einzelschau der Zürcher, führte frühere Nutzungen, Begehrlichkeiten und moderne Mythen in das Gebäude zurück. Ausstellungsbesucher mussten über eine Außentreppe durch ein Fenster einsteigen und wurden wie in einem Kaufhaus durch eine Wärmeschleuse geleitet. Im oberen Stockwerk stieß man auf Utensilien zum Brauen von Bier, das dann zur Finissage ausgeschenkt wurde. Seitdem kursieren in Olten nicht nur wieder Erinnerungen an das Kaufhaus Frey, das hier einmal zu finden war und an die Tiefgarage, die man hier immer schon vermisste, es wird auch wieder über einen Neubau des Kunstmuseums diskutiert. Wird im Warteck, wo die Nationale Suisse-Präsentation stattfindet, also jetzt auch wieder gebraut? Michael Meier und Christoph Franz lachen und winken ab. Das wäre den beiden dann doch zu platt. Sie kennen sich seit ihrem Studium der Raum- und Designstrategien in Linz, ihre Atelierkollegen haben sie beim Berliner Kollektiv Raumlabor gefunden, das dafür bekannt geworden ist, weniger in Institutionen als in fließenden Strukturen zu denken. Michael Meier und Christoph Franz sind von solchen Ansätzen geprägt. Für die jeweilige Recherche, die grundsätzlich beim Ort ansetzt, nehmen sie sich Zeit. Die Materialien stammen aus dem Baumarkt und können nach dem Abbau weiter verwendet werden. Schwer zu sagen, ob ihre Werke, die für sie zwischen Skulptur, Architektur und Bild angesiedelt sind, als sozialer Katalysator wirken oder die Gestalt kollektiver Sehnsüchte sind. Sicher scheint aber, dass sie sich gegen eine fixe Definition von Räumen sträuben. Es gibt in Zürich Orte für Skateboarder und Orte für Sprayer, zählt Michael Meier auf, was es nicht gibt, sind Räume und Gebäude, bei denen offen ist, was passieren kann. Die Arbeiten von Meier und Franz stellen solche Möglichkeiten dar. Für die Aktion „Art and the City“, die im letzten Herbst in Zürich stattfand, bauten sie dort, wo einmal eine Tankstelle stand, eine neue aus robusten Hartfaserplatten. Schief gesetzte Holzlatten hinterließen den Eindruck kaputter Jalousien und von Verlassenheit. Nachts sah die Tankstelle aus, als sei sie direkt aus einem amerikanischen Roadmovie an diesen Ort geraten.         


Michael Meier & Christoph Franz, Träger des Prix Nationale Suisse 2013, Soloshow an der Liste 18, Warteck PP, Basel.






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