12/06/13

Tobias Kaspar

Der Künstler als Paparazzo und Editor. Der Schweizer Tobias Kaspar erkundet künstlerische Rollenmodelle.

von Annette Hoffmann
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Tobias Kaspar, TBR (fig. 1), 2013 Courtesy the artist and Galerie Peter Kilchmann

 

Der Künstler als Paparazzo und Editor. Der Schweizer Tobias Kaspar erkundet künstlerische Rollenmodelle.


Wenn das Leben Hollywood-Drehbücher weiterschreibt, die auf einer wahren Geschichte beruhen, wird es skurril. Just an dem Tag, als in Cannes Sofia Coppolas neuester Film „The Bling Ring“ Premiere feierte, wurde in einem Hotelzimmer ein Safe mit Chopard-Juwelen gestohlen. Ob sich die Diebe die Jugendbande zum Vorbild nahm, die als „The Bling Ring“ in Los Angeles zwischen 2009 und 2010 in die Häuser von Party-Ikonen wie Paris Hilton einstieg und Designerkleidung, Schmuck und Uhren stahl, ist nicht bekannt. Die Juwelen jedenfalls hätte auf dem roten Teppich des Filmfestivals getragen werden sollen. Die Jugendlichen hingegen wollten sich den Live-Style, den man ihnen in L.A. vorlebte und den sie in Magazinen und Internetforen gespiegelt sahen, aneignen. Was die VIPs gerade so vorhatten und ob der Zeitpunkt für einen Einbruch günstig sei, recherchierten die Jugendlichen über einschlägige Foren. Dass Tobias Kaspars aktuelle Serie ebenfalls „The Bling Ring“ heißt, ist durchaus beabsichtigt. Kaspar (* 1984) greift in seinen Schwarzweißaufnahmen die Dreharbeiten auf. Doch, wo die Jugendlichen kopierten, die Regisseurin adaptierte, setzt der Schweizer Künstler die konkrete Situation – ein Tisch in einem Café in L.A. –, Fotos der Darstellerin Emma Watson am Set und seinen eigenen Zugriff auf die Bilder als eine Verschränkung von Rahmungen um. Das Passepartout, das auf manchen Arbeiten mit dem eigens entwickelten „The Bling Ring“-Logo, auf anderen mit einem Kommentar oder Anweisungen wie „for immediate release“ versehen ist, spiegelt die Menüleiste des Smartphones wider. Und Einbauten in der Zürcher Galerie Peter Kilchmann griffen dies wiederum räumlich auf.


Kaspar, der in Hamburg und an der Frankfurter Städelschule studierte, verarbeitete bereits 2010 mit „The Lumpy Blue Sweater“ ein Modethema und verband es mit den Interventionen von André Cadere. Nun schmuggelt er sich als Editor von Internetfotos von Emma Watson ein, die er zwischen Kaffeetassen, Pappbechern und Luxushandtaschen arrangiert. Auf mehreren Fotos sieht man Hände, die Smartphones oder Tablet-Computer halten. Im Zentrum dieser Aufnahmen steht mehr der Zugriff auf die Fotos, als diese selbst, die immer etwas aus dem Bild zu rutschen scheinen. Rückkoppelungen sind mitbedacht, der Künstler wird zu einer Art Paparazzo und der Lebensstil Hollywoods nur zu einer sinnentleerteren Form der Kunst.           

 

Tobias Kaspar bei Galerie Peter Kilchmann (Zürich), Art Basel, Messe Basel.




Galerie Peter Kilchmann