11/06/13

Florian Auer

Florian Auer und die Ästhetik der immerwährenden Optimierung.

von Dietrich Roeschmann
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Florian Auer, Not yet titled (calculator at night), 2012, Courtesy the artist and Kraupa-Tuskany

 

Florian Auer und die Ästhetik der immerwährenden Optimierung.

Irgendwas muss da schief gelaufen sein, als IBM Mitte der Achtziger seinen ersten Flachbildschirm herausbrachte. Wider Erwarten war den Nutzern dieses schmale Ding nicht geheuer. Also schneiderte der deutsche Designer Richard Sapper der verschlankten Zukunftstechnologie ein Gehäuse auf den Leib, das deutlich sperriger war als nötig – eine paradoxe Anekdote aus der Frühzeit des digitalen Fortschritts. Florian Auer mag solche Geschichten. Was den 1984 in Augsburg geborenen Künstler interessiert, sind die verborgenen Kräfte, die die Ungleichzeitigkeit technischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Entwicklungen freisetzt. Seine besondere Faszination gilt dabei den ästhetischen Standards der Effizienz und permanenten Optimierung, die sich am Übergang von der industriellen Produktion zum digitalen Informationsmanagement herausgebildet haben und auf seltsame Weise bis heute unsere Vorstellung von Zukunft prägen. Dass man in Auers Ausstellungen schon mal das Gefühl haben kann, in einer Zeitschleife festzuhängen, ist kein Zufall. In seiner jüngsten Soloschau „How to Spend It“ – betitelt nach der Lifestyle-Beilage der Financial Times – präsentierte er Sappers Flatscreen-Prototyp auf einem Glastisch, dessen Platte von einer Edelstahlhand getragen wurde. Daneben thronte eine Designer-Sushi-Maschine auf einem Holzpodest, das Auer mit Fakeholz-Dekor beklebt hatte, während an den Wänden schillernde Mauerfragmente aus übermalten Kreditkartenrohlingen hingen und in Airbrushtechnik überarbeitete Digital-Prints des legendären Old-School-Taschenrechners „HP 12 C“, einem Must-have aller risikobereiten Börsenmakler der Prä-iPad-Ära. Die glamouröse Aufladung, die das futuristische Design dieser Gadgets von vor 30 Jahren bei Auer erfährt, ist jedoch alles andere als nostalgisch. Im Gegenteil: In den kühlen Settings des Städel-Absolventen, die einen abenteuerlichen Spagat zwischen Appropriation Art, Shop Design und Retro-Trash-Show proben, erscheint die postmodern designte Zukunft der Vergangenheit als „Episode One“ der gegenwärtigen Krise. Eine coole Übung in subversiver Affirmation.    

        

Florian Auer bei Kraupa-Tuskany Zeidler (Berlin), Liste 18, Basel.




Kraupa-Tuskany Zeidler