01/06/13

Pfeifen im Frühling

Der Manor-Kunstpreisträger Mirko Baselgia meint es im Bündner Kunstmuseum ernst mit dem Ausstellungstitel "Primavera".

von Annette Hoffmann

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Mirko Baselgia, Endoderm (Murmeltiergänge), 2012

Der Manor-Kunstpreisträger Mirko Baselgia meint es im Bündner Kunstmuseum ernst mit dem Ausstellungstitel "Primavera".


Derzeit hat das Bündner Kunstmuseum einen besonderen Klang. Wer genau hinhört, vernimmt ein leises Summen. Mirko Baselgia (* 1982) hat dem Museum in Chur den Frühling bereitet. Auf dem Balkon des neoklassizistischen Gebäudes stehen drei Bienenkästen, in deren unmittelbarer Nähe ein Dachgarten angelegt wurde. Tulpen, Osterglocken, kleine Büsche und ringförmig gepflanzte Stiefmütterchen sorgen für einen so gar nicht musealen Anblick. Der Manor-Kunstpreisträger Chur meint es sichtlich ernst mit dem Titel seiner Ausstellung „Primavera“. Einen idyllischen Naturbegriff vermittelt seine erste größere Einzelschau jedoch nicht, die Natur formt sich unter seinem Zugriff, mitunter sogar zur Allegorie. Sechs Bienenkörper bilden auf einem Wachsrelief ein Blumenmotiv. Der Titel „Antupada. The Bee dreams up the Flower and the Flower dreams up the Bee“ beschreibt das wechselseitige Verhältnis von Blüte und Biene.

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Mirko Baselgia, Antupada (The Bee dreams up the Flower and the Flower dreams up the Bee), 2012

Erneut dringen unerwartete Töne aus einem der Räume zum Besucher. Es sind die Warnrufe von drei Murmeltieren. Wer nun aber poussierlich aufgerichtete Alpenbewohner erwartet, wird von „Guardians (Sirena alpina)“ enttäuscht. Drei pelzbezogene Pflöcke sind in einem Dreieck aufgestellt, nur die Schwänze auf dem Boden erinnern noch an Murmeltiere. Und eben das Pfeifen, das von einem Bewegungsmelder ausgelöst wird. Wenn das keine kalte Dusche ist. Tatsächlich ist für Mirko Baselgia Natur, so wie er sie in seiner Ausstellung „Primavera“ präsentiert, immer skulptural gestaltet. Die drei Bienenkästen sind von kubischer Form, so wie man sie vom Minimalismus kennt und das Gangsystem von Murmeltieren, das Mirko Baselgia in einem der eigens holzverkleideten Museumsräume gelegt hat, ist von einer derartigen Wucht, das es den Gießprozess der Bronze zu veranschaulichen scheint. Wie ein Blitz oder eben wie flüssiges Metall durchfährt die Arbeit „Endoderm (Murmeltiergänge)“ das Volumen dieses Raumes. Innerhalb der Ausstellung bildet die Installation eine Ausnahme, denn Baselgia hat seine Werke in die Museumsarchitektur und die Sammlung eingefügt. So nutzt er vorhandene Nischen für seine Objekte oder konterkariert mit „Guadians (sirena alpina)“ die Schweizer Landschaften Giovanni Segantinis, die im gleichen Raum zu sehen sind.           

 

Mirko Baselgia, Primavera

Bündner Kunstmuseum

Postplatz, Chur.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 23. Juni 2013.

 

 

 

 




Bündner Kunstmuseum