30/05/13

Landpartie

Wenn der Sommer naht, wagt sich auch die Kunst nach draußen. Ein guter Grund, ihr zu folgen. Wir stellen Ihnen die schönsten Ausflugsziele vor.

von red.
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Ursula Palla, Flowers 4, 2004/5, Foto: Andrés Morya

Wenn der Sommer naht, wagt sich auch die Kunst nach draußen. Ein guter Grund, ihr zu folgen. Wir stellen Ihnen die schönsten Ausflugsziele vor.

Bromer Art Collection

Die Bromer Art Collection im ländlichen Roggwil ist das jüngste Privatmuseum der Schweiz – und eines der größten: Mehr als 1500 Werke umfasst die Sammlung des Immobilienhändlers René Brogli, der sich selbst als eingefleischten Fan der Schweizer Bergmalerei bezeichnet. Dass dieser Spleen in der aktuellen Kunstszene bestenfalls auf höfliches Desinteresse stößt, ist ihm bewusst. Deshalb berief er kürzlich den erst 21-jährigen Berner Kurator Chris­tian Herren zum Museumsdirektor, der Haus und Sammlung nun ein zeitgemäßes Update nach den Bedürfnissen der urbanen Art Community verpassen durfte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Herrens Debütschau „Lovin’ It“ reflektiert Gipfelkitsch, Heimatpathos und symbolische Überfrachtung im Spiegel von Arbeiten internationaler Stars wie Francis Alÿs, Gillian Wearing oder Ragnar Kjartansson.

Bromer Art Collection

Landstr. 53, Roggwil bei Langenthal.

Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag, Sonntag 11.00 bis18.00 Uhr, Freitag bis Samstag 11.00 bis 21.00 Uhr.

Bis 2. Juni 2013.

 

Museum Langmatt

Über die poetischen Neigungen von Rasenmähern war bislang nur wenig bekannt. In Baden jedoch steht ein elektronischer Rasenmäher schier unbeteiligt auf dem Grün, in direkter Nähe ragt eine große Blume wenige Zentimeter aus dem kurz geschorenen Rasen. Wer den Hinweisschildern folgt, stößt auf weitere Werke des diesjährigen Sommergastes im Museum Langmatt Ursula Palla (*1961). In einem Video kann man Arbeiter beobachten, die Sträuße ins Tauchbad tunken, die überschüssige Farbe abschlagen und so aus unscheinbaren weißen Blüten blaue machen und die Wand mit bunten Spritzern versehen. Der Mensch, so scheint es, kann die Natur nicht lassen, er muss sie optimieren. Zugleich ist die Nähe zur Malerei hier ebenso offensichtlich wie bei einem weiteren Video, das im Esszimmer der Villa Langmatt zu finden ist. Der Apfel, der auf die Bordürentapete projiziert wird, greift die drei Stillleben Cézannes auf, die sich im Raum befinden. Hält die Malerei den Augenblick vollkommenster Reife fest, setzt sich bei Palla eine Fliege auf dem Apfel fest, der sichtlich schrumpft bis er verfault. Es sind behutsame Eingriffe, die die Zürcher Künstlerin mit ihren Videoinstallationen im Museum Langmatt vornimmt. Die Kunst setzt die Zeit und mit ihr die Vergänglichkeit in ihr Recht. Wenn das nicht am schönen Schein der Idylle kratzt.

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Ursula Palla, Do robots like flowers, 2005, Courtesy the artist

Museum Langmatt

Römerstr. 30, Baden.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 17.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 30. November 2013.

 

Arte Hotel Bregaglia

Werke von mittlerweile 14 Künstlerinnen und Künstler sind im Arte Hotel Bregaglia zu entdecken, nicht wenige der Arbeiten befassen sich mit der Geschichte des Hotels, das 1875 eröffnet wurde und noch immer den Charme der Belle Epoque ausstrahlt. Vor drei Jahren weckte der Churer Galerist Luciano Fasciati das Haus mit Kunst aus dem Dornröschenschlaf. In diesem Jahr kommen Werke von Hans Danuser, Remo Albert Alig und Judith Albert hinzu.

Arte Hotel Bregaglia, Promontogno.

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 10.00 bis17.00 Uhr

2. Juni bis 28. September 2013.

 

Skulpturen-Biennale

„Das Weiertal ist für die Besucher oft wie ein Paradiesgarten“, sagt Maja von Meiss, die das Skulpturen-Symposium Weiertal initiiert hat. Alle zwei Jahre kann man hier zwischen Weihern, Bachläufen und einem verwunschenen Gartenhäuschen auf Kunst stoßen. Allzu regional sollte man sich die Open-Air-Ausstellung, die am Stadtrand von Winterthur stattfindet, allerdings nicht vorstellen, denn Guido Magnaguagno hat Künstler wie Roman Signer, Richard Deacon und Mickry 3 eingeladen. Da muss sich die Flora ins Zeug legen.

Biennale Skulpturen Symposium

Rumstalstr. 55, Winterthur.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14.00 bis 18.00 Uhr, Freitag 14.00 bis 22.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis16.00 Uhr.

Bis 8. September 2013.

 

Hotel Castell

Schwer zu entscheiden, ob das Hotel Castell nun eher ein Museum zum Übernachten oder eine No­belherberge zum Besichtigen ist. In jedem Fall wohnt hier die Schweizer Gegenwartskunst: In den Zimmern hängen Fotografien von Roman Signer oder Fischli/Weiss, die Schlüsselanhänger hat Olaf Breuning gestaltet, die „Rote Bar“ im Foyer stammt von Pipilotti Rist und im Garten baute James Turrell ein atemberaubendes Lichtoberservatorium. Mit einem sommerlichen Art Event feiert das Vier-Sterne-Gesamtkunstwerk des Zürcher Sammlers und Hoteliers Ruedi Bechtler nun 100. Geburtstag.

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Die Rote Bar von Pipilotti Rist, Foto: Hotel Castell, Zuoz

Hotel Castell, Zuoz.

Jubiläums-Event: 22. bis 23. Juni 2013.

 

Auge um Auge

Keine Bange, auch wenn das Motto Martialisches befürchten lässt, werden auf Schloss Werdenberg weder Waffen gekreuzt noch Morgensterne geschwungen. „Auge um Auge“ meint keine alttestamentliche Racheansage, sondern vielmehr eine Aufforderung zum bedächtigen Schauen. Obwohl in der Schlossanlage, die im Kanton St. Gallen liegt, auch viel zu hören ist. Vereint das zehntägige Festival doch Konzerte der Alten und Neuen Musik mit Kunstausstellungen. In diesem Jahr hat man Jonas Burgert eingeladen, der für seine großformatigen überbordenden Bilder bekannt geworden ist: ein zeitgenössischer Hieronymus Bosch.

Schloss Werdenberg.

17. bis 26. Mai 2013.

 

Kunstmeile

Seit 2007 wird Wangen alle zwei Jahre zur öffentlichen Kunstmeile. Mit großer Konsequenz hat der Initiator Markus Schmitz zeitgenössischer Kunst eine Bühne in der Stadt bereitet. Auch in diesem Sommer zieht die Kunst in die Kirchen der Innenstadt und in die Städtische Galerie ein. Werke der neun beteiligten Künstler sind aber auch in Artboxen zu finden, die einen Schaufensterbummel zum Ausstellungsparcours werden lassen. Vertreten ist das ganze Spektrum zeitgenössischer Kunst von Malerei, Fotografie, Skulptur und Papierarbeiten. Nicht zu vergessen die oft bitter-bösen Strickobjekte der Berliner Künstlerin Patricia Waller und die illusionis­tischen Papierfaltungen von Simon Schubert.

Wangen im Allgäu.

14. Juni bis 21. Juli 2013.

 

Kloster Schönthal

Mit klösterlicher Kontemplation verbindet man die Malerei von Renée Levi kaum. Zu diesseitig, zu dynamisch sind die meist großformatigen Arbeiten der Basler Künstlerin. Ein wenig erinnern ihre stark ges­tischen Bilder immer an Street-Art, das sollte doch einen reizvollen Kontrast zu dem romanischen Ausstellungsraum der Galerie ergeben. Und eigentlich wollte Levi, die in der Türkei geboren wurde, ursprünglich auch Architektin werden, nun gestaltet sie in die Fläche: oft mit der Spraydose, nicht selten in Neon und immer malerisch radikal.

Kloster Schönthal, Langenbruck.

Öffnungszeiten: Freitag 14.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 18 Uhr

Bis 29. September 2013.

 

 




Hotel Casell
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Bromer Art Collection
Biennale Skulpturen Symposium
Schloss Werdenberg