27/05/13

Gabriela Oberkofler

Die Stuttgarter Künstlerin Gabriela Oberkofler spielt in ihren Werken mit Heimat und Entwurzelung - und vermittelt zwischen verschiedenen Lebenswelten.

von Valérie Hasenmayer
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Gabriela Oberkofler, Rottanne, 2012, © Gabriela Oberkofler

Die Stuttgarter Künstlerin Gabriela Oberkofler spielt in ihren Werken mit Heimat und Entwurzelung - und vermittelt zwischen verschiedenen Lebenswelten.

 

„Gestern dachte ich noch, dieses Mal war das letzte Mal“, sagt Gabriela Oberkofler. Gestern kam sie zurück aus Friedrichshafen, wo sie als Stipendiatin der ZF Kunststiftung die Ausstellung „Schwalbenschwänze, Mosaikjungfern, Totengräber, Erdhummeln und Schmeißfliegen“ eröffnet hat. Und gestern war eben gestern. Und heute ist heute. Heute steht Oberkofler in ihrem Stuttgarter Atelier der Kunststiftung Baden-Württemberg, sortiert feine Zeichnungen, arbeitet an einem neuen, großformatigen Insekten-Aquarell und brennt darauf, weiterzumachen. „Ich bin mit diesem Thema einfach noch nicht durch“, sagt sie.

Geduld und Sensibilität für Stimmungen, ein außergewöhnlicher Blick für die kleinen Details und einprägsamen Erlebnisse scheinen Gabriela Oberkofler sehr zu eigen zu sein. Neben den Zeichnungen steht eine Kiste mit gesammelten Schätzen: ein platt gefahrener Feuersalamander, tote Fliegen, Hummeln, Bienen, ein Nachtfalter. „Deshalb das neue Insektenbild. Ich will, dass sie wieder fliegen.“ Und schon sind wir bei einem großen Thema in Oberkoflers Arbeiten. Dem Wiedergutmachen. Für Friedrichshafen hat sie eine Fischlaichstation konzipiert, die nach der Ausstellung im Bodensee zu neuem Leben verhelfen soll. Darüber aufgehängt: Fliegen und Fischerhaken, allerdings so verbogen, dass sie zum Fangen nicht mehr taugen. Wenn andere Künstler dekonstruieren, macht Gabriela Oberkofler oft das Gegenteil. Sie rekonstruiert. Sie will die Natur wieder mit der Natur vereinigen, wiedergutmachen, was die Menschheit mit ihrem Eingreifen alles so anrichtet, eine Verbindung zwischen Stadt und Land herstellen und dabei auch viel in sich selbst ordnen. So spielen die Südtiroler Heimat Oberkoflers und deren ländliche Stimmungsbilder eine immens große Rolle in ihren Arbeiten. „Es war mir immer sehr wichtig, dass Kunst etwas mit einem selbst zu tun hat und nicht beliebig wird. Auch wenn die eigene Reflexion mitunter extrem anstrengend für mich ist und beinahe lähmend und sehr beängstigend werden kann.“ In ihrer Installation „Buggelkraxen“ schnallt Oberkofler sich dennoch ihr Dorf in Form eines Nachbaus aus zerlegten Gemüsekisten auf den Rücken und bringt es in die Stadt. Im „Gipfelstürmen“ besteigt sie im Dirndl urbane Berge wie Baustellen und Trümmerhaufen, um Ziehharmonika zu spielen und zu jodeln. „Ich versuche, eine Kommunikation zwischen den Kulturen herzustellen, zwischen Stadt und Land, meiner eigenen Vergangenheit und Gegenwart“, so die 38-Jährige. Und dazwischen tauchen ihre kleinteiligen Aquarelle auf, aus sich auflösenden und wieder zum Leben erweckten Insekten, explodierenden Blumensträußen, entwurzelten Narzissen oder auch brennenden Ameisenhaufen. Mal verstörend aggressiv, mal beinahe naiv märchenhaft, mal beides vermischt. Es geht um Verlassen, Altes aufgeben, Neues finden, Vergänglichkeit, Angst. Und die Heimat scheint einerseits starker Anziehungspunkt zu sein, und andererseits abschreckendes Idyll. „Ich denke, es sind die starken Bilder, die mich in meiner Kindheit beeinflusst haben, das Ritual- und Traditionsbehaftete, das einerseits Sicherheit gibt und andererseits beschränkt“, erklärt Oberkofler. „Anscheinend habe ich da noch ein paar Rechnungen offen – und muss vielleicht auch einiges wieder gut machen.“ Manchmal ist eben gestern auch heute.        

Gabriela Oberkofler: Schwalbenschwänze, Totengräber, Erdhummeln und Schmeißfliegen.

Zeppelinmuseum, Seestr. 22, Friedrichshafen.

Öffnungnszeiten: Täglich 9.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 9. Juni 2013.




Zeppelin Museum