19/12/12

Auseinandersetzung mit dem Material

Eine Ausstellung im Museum Biedermann widmet sich mit Werken von Nunzio und Dessi der italienischen Kunst.

von Yvonne Ziegler

Nunzio
Nunzio, Senza titolo, 2009, © Museum Biedermann

Eine Ausstellung im Museum Biedermann widmet sich mit Werken von Nunzio und Dessi der italienischen Kunst.

Ein Schwerpunkt des Museum Biedermann liegt auf der italienischen Kunst der 1980er Jahre. Derzeit präsentiert das Haus zwei Künstler, mit denen die Sammlerin Margit Biedermann bereits seit 20 Jahren in Kontakt steht: den in Rom und Turin lebenden Bildhauer Nunzio (*1954) und den römischen Bühnenbildner Gianni Dessi (*1955). Nunzio schafft abstrakte, malerisch-minimalistische Formen, Dessi hingegen spielt mit Material und Maßstab und lässt Figürliches entstehen. Indessen verbindet sie ihre Zugehörigkeit zur „Neuen römischen Schule“.

Von Nunzio sind zwei Werkgruppen zu sehen: Holzobjekte, die er unter anderem mit der Kettensäge zugerichtet und anschließend angesengt hat und Reliefs. Bei Letzteren handelt es sich zumeist um verkohlte Holzplatten, die stellenweise mit einem in konkave und konvexe Felder eingeteilten, hauchdünnen Bogen aus gewalztem Blei versehen sind. Andere Reliefs sind aus Stahl, eines ruht als hoher freistehender Bogen im Raum. Durch Öffnungen, Vertiefungen und Erhebungen gelingt es Nunzio, den Umraum in das Volumen der Skulptur einzubeziehen. Auch die Oberfläche spielt eine zentrale Rolle: Die Kohleschicht verhüllt das darunter liegende Holz und verschluckt das Licht, während sie gleichzeitig samtig matt schimmert. Die Bleioberfläche hingegen oxidiert; Schwere, Leichtigkeit und Spannkraft des Materials treten hervor. Deutlich ist die Auseinandersetzung mit der Materialsuche der vorangehenden Arte Povera und den in der Nachfolge von Lucio Fontanas Spazialismo stehenden Künstlern Paolo Scheggi, Dadamaino und Agostino Bonalumi zu sehen.

Dessi schafft schwere gesichtslose, oft überlebensgroße Körper aus Gips oder aus mit Harz und Farbe versetzten durchlässigen Sisalfasern über Eisendraht: drei Stehende, eine raumfüllende zusammen gekrümmte Figur oder zwei Meter große Füße. Die Materialien liegen offen, sind wenig subtil bearbeitet, weiß oder gelb übertüncht. Auf den Oberflächen und an den Wänden tauchen geometrische Formen und rätselhafte Zeichen auf. Vermögen seine weißen Gipsfiguren mit schwarzem Rechteck durch ihre Präsenz und Konzentration den Blick zu fesseln, fallen die plumpen grob gearbeiteten Sisalriesen und die mäßig spannenden Wandarbeiten stark ab. Mit Nunzio und Dessi werden in Donaueschingen zwei Künstler präsentiert, die zwischen den großen italienischen Kunstrichtungen von Arte Povera und Transavantgardia stehen. Ob sie fortan auch in internationalen Museen Beachtung finden, muss sich erst zeigen.

Senza Titulo
Museum Biedermann

Museumsweg 1, Donaueschingen.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 16. Juni 2013.
Museum Biedermann