13/05/13

Was ist Grau, was ist Blau?

Eine Ausstellung im Freiburger Kunstraum Alexander Bürkle geht der Natur der Farbe und des Lichts nach.

von Antje Lechleiter
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Ausstellungsansicht Kunstraum Alexander Bürkle, Foto: Bernhard Strauss

Eine Ausstellung im Freiburger Kunstraum Alexander Bürkle geht der Natur der Farbe und des Lichts nach.

 

Ein erster Blick ist oft trügerisch: Rudolf de Crignis’ blaue und graue Arbeiten sind nicht monochrom, sondern bestehen aus einer Vielzahl von transparent übereinandergeschichteten Bunttönen. Dennoch ist das Thema seiner Werke nicht die Farbe, es ist vielmehr ihr Medium, das Licht. Zusammen mit Arbeiten von Anna Leonie, Stephan Baumkötter und Peter Tollens versammelt sich die Malerei des 2006 in New York verstorbenen Schweizers in der aktuellen Ausstellung „Farblichter“ des Freiburger Kunstraumes Alexander Bürkle.

 

Wer Erkenntnisse über die Malerei und ihre Möglichkeiten gewinnen will, muss bewusst wahrnehmen, intensives Sehen ist gefordert. Die Belohnung winkt in Form eines visuellen Ereignisses. In ihren beiden „wall scans“ tastet Anna Leonie (*1962) mit Lineal und Farbstift die Oberfläche der weißen Wand ab. Die rund drei Meter hohen Rechtecke aus feinen horizontalen Linien stehen wie riesige farbige Schatten im Raum und schärfen den Blick auf die Architektur. Ihre Instrumente führt die Künstlerin bei den Arbeiten auf MDF-Platten vor. Alabasterkreide, Pigmente, ein Marmorgrund stehen auf der harten Platte – radikal rollt sich die Malerei hier von hinten auf.

 

Dass Peter Tollens (*1954) seine Öl- und Temperafarben selbst mischt, hat Methode und ist Teil des Programms, denn die zentrale Frage des Künstlers lautet „Was ist das eigentlich Farbe?“ Zumindest in einer Hinsicht etwas ganz Konkretes: Etwas, was den Bildgrund bedeckt und was wir sehen. Aber was sehen wir eigentlich? Mit Tollens könnte man sich trefflich über die Farbigkeit seiner Arbeiten streiten. Ist diese große, neuere Arbeit gelb oder grün? Antwort: Sie ist heute gelb und morgen – vielleicht – grün. Die Tageszeit, das Wetter und der Lichtverlauf mischen hier mit. Tatsächlich sehen seine Gemälde von der Seite betrachtet ebenfalls deutlich anders aus als von vorne. Was für ein Farbfilm! Tollens formt Farbinseln, präsentiert seinen dynamischen Pinselstrich und lässt den Betrachter am Malprozess teilhaben. Die in vielen Schichten aufgetragene Farbe kann aber noch mehr. Sie generiert einen winzigen, aber durchaus realen „Raum“, in dem alle Farbschichten miteinander in Verbindung stehen und als Gefüge zusammenklingen. Stephan Baumkötter (*1958) arbeitet mit Ölstiften und bringt damit Malerei und Zeichnung in eins. Das Auge tastet an zarten Farbverläufen entlang und alleine das Seherlebnis formt Inhalt und Struktur. Diese Arbeiten tragen keine Titel, doch man könnte sie durchaus als Portraits bezeichnen: Sie zeigen das Antlitz des Immateriellen.

 

Rudolf de Crignis (1948-2006) schließlich legte die Karten auf den Tisch. Seine Colour/Index-Cards verzeichnen die Farben, die sich auf seinen Leinwänden übereinander schichten. Dekonstruktion war im Übrigen auch Bestandteil seines Vorgehens. Er radierte die feinen Graphit- und Buntstiftlinien seiner Arbeiten auf Papier mit einem weichen Radiergummi aus, und auch seine Ölfarbe trug de Crignis mit senkrechten und waagerechten Pinselstrichen gleichmäßig auf die weiß grundierte Leinwand auf, um sie anschließend wieder abzunehmen. Nur ein transparenter Schleier blieb erhalten, bevor er diesen Vorgang vielfach mit weiteren Farben wiederholte. Was heißt hier Grau, was ist Blau? Das ist Grün, Violett, Orange und Zinkweiß. Nein, das ist ein weiter, schier endloser Farbraum –  das ist Himmel, das ist Nebel, das ist Farblicht!       

 

 

Farblichter.

Kunstraum Alexander Bürkle

Robert-Bunsen-Str. 5, Freiburg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 23. Juni 2013.

 




Kunstraum Alexander Bürkle