10/05/13

Licht als Medium

In Dan Flavins Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen ist der Betrachter immer auch Mitwirkender.

von Yvonne Ziegler

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Dan Flavin, Untitled (to Jan and Ron Grennberg), 1972/73, Installationsansicht Kunstmuseum St. Gallen, courtesy of David Zwirner, New York, © 2012 Stephen Flavin / Pro Litteris, Zürich, Foto: Stefan Rohner

In Dan Flavins Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen ist der Betrachter immer auch Mitwirkender.

 

Eine handelsübliche pinkfarbene Leuchtstoffröhre, die in der Ecke eines Raumes lehnt, lässt dessen Grenzen verschwimmen. Und wenn wir einen Raum betreten, der gänzlich von gelben Leuchtstoffröhren erhellt wird und anschließend in einen grün leuchtenden Raum gehen, so erscheint auf dem Weg zunächst alles Violett. Da sich unser Wahrnehmungssystem beim Gehen auf Raumgrenzen bezieht, sind wir nicht nur denkender, sondern auch körperlicher Teil der Kunstwerke. Oder wie der US-amerikanische Künstler Dan Flavin (1933-1996) es ausdrückte: Mitwirkende. Licht bringt Emotionen hervor, insbesondere farbiges Licht.

Wie unterschiedlich Lichtfarben zusammenwirken und wie Raum durch Licht verändert wird, ist derzeit in einer pointiert gesetzten Ausstellung von wichtigen Werken von Dan Flavin im Kunstmuseum St. Gallen zu erleben. Dass rotes Licht im Vergleich zu grünem sehr viel dunkler wirkt und dass sich dies verändert, wenn mehr oder weniger Tageslicht hinzutritt, zeigt die dem Künstlerfreund Donald Judd gewidmete Arbeit „Untitled (to Donald Judd, colorist)“ von 1987, bei der Flavin eine Abfolge von jeweils vier orthogonalen Leuchtstoffröhren einer Farbe mit vertikal darüber angebrachten Röhren einer anderen Farbe kombiniert.

Wie Rainer Fuchs im aufschlussreichen Katalog herausarbeitet, stehen die Werke des amerikanischen Künstlers im Spannungsfeld von rational-minimalistischer Konstruktion und emotionaler Wirkung. Bereits Zeitgenossen wie Lucy Lippard kommentierten, dass „die dramatischen Qualitäten von Licht als Medium“ die formale Klarheit „verdunkeln“ können. Dem Künstler ist es gelungen, transzendente Gedanken und subjektive Erlebnisse mit einfachen Formen zu verschmelzen. Sind an opaken Bildern Leuchtkörper befestigt, muss man an Ikonen denken, eine diagonale Leuchtstoffröhre industrialisiert Brancusis unendliche Säule, Tatlins konstruktivistische Utopien werden zu vergänglichen Lichtmonumenten. Flavin hinterließ ein Œuvre, das Anteile von Warenästhetik, Elektrifizierung, Kunstgeschichte, Politik und Religion gleichermaßen anklingen lässt   

Dan Flavin, Lights

Kunstmuseum St. Gallen

Museumsstr. 32, St. Gallen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch 10.00 bis 20.00 Uhr.

Bis 21. Juli 2013.

 

 

 

 




Kunstmuseum St. Gallen