25/04/13

Lücken, Löcher, Leerstellen

Peter Gysi schliesst im Kunsthaus Grenchen das Konstruktive mit dem Witz kurz.

von Alice Henkes
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Peter Gysi, Neubau, 2008, © Peter Gysi 2013, Foto: David Aebi

Ausstellungsansicht Neubau Kunsthaus Grenchen, © Peter Gysi 2013, Foto: David Aebi

 

Peter Gysi schliesst im Kunsthaus Grenchen das Konstruktive mit dem Witz kurz.

In Giesskannen und Schneeschaufeln schneidet Peter Gysi (*1955) schöne, grosse, runde Löcher. Damit transportiert der Künstler die Objekte nicht nur aus der profanen Gebrauchswelt in die überstoffliche Sphäre des Metaphorischen. Er bekundet so zudem seine Wertschätzung für Lücken, Löcher, Leerstellen. „Erst durch Leerstellen wird ein geschriebener Text verständlich“, sagt er. Eine etwas kauzig klingende Bemerkung, die bei rechter Betrachtung ein ganzes philosophisches Programm umfasst. So hält der in Burgdorf lebende Künstler es gern. Er füllt einen Postkartenständer mit Glasscheiben. Einige Gläser zerbricht er. In den Lücken lässt sich das Wort „Licht“ lesen. In Objekten wie diesen verbinden sich Gysis künstlerische Heimat im Konstruktiven und sein besonderer Witz.

 

Eine Ausstellung im Kunsthaus Grenchen würdigt Peter Gysi mit einer ebenso konzentrierten wie sorgfältig eingerichteten Übersichtsschau als Zeichner und Objekt-Künstler, der klare Linien und Formen mit Sinn fürs Skurrile verbindet, und sich zum freudigen Erstaunen des Betrachters immer wieder über die Grenzen des Konstruktiven hinaustastet. Schwere Eisenstangen zwirbelt Gysi zu abenteuerlichen Arabesken. Streng astronomische Sternkarten verwandelt er mittels aufgezeichneter Notenlineatur in Kopfmusik. Einem akkurat-konstruktiven Stapel aus 57 runden Stahlplatten stellt er eine Arbeit aus 75 verzinkten Stahlplatten gegenüber, die wüst auf einem Haufen liegen. Die schroff aufgetürmten Stahlplatten erinnern an die Eisschollen in Caspar David Friedrichs Bild „Das Eismeer“. Eine kunsthistorische Assoziation, wie Peter Gysi sie liebt. Neben der hohen Kunst beschäftigt ihn jedoch auch die profanere Kunst der Postkarten. 60 000 Karten finden sich in der Sammlung des Künstlers. Einige davon sind, eingebunden in Installationen, in der Ausstellung zu sehen. Zum Beispiel eine Reihe nächtlicher Ansichten von Städten und Baudenkmälern, die ein schönes Pendant zur Installation „Licht“ bildet.        

 

Kunsthaus Grenchen.

Bahnhofstr. 53, Grenchen.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14.00 bis 17.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 12. Mai 2013


 

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Kunsthaus Grenchen