23/04/13

Die Fabrik für zuhause

Das Museum für Gestaltung Zürich führt in die schöne neue Welt des 3-D-Druckens ein.

von Annette Hoffmann
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Johanna Spath & Johannes Tsopanides, Cloudspeaker [Detail], Material: SLS / Polyamid, 2008, © bei den Autoren

Das Museum für Gestaltung Zürich führt in die schöne neue Welt des 3-D-Druckens ein.

 

Sie sind so groß wie ein Getränkeautomat, doch sie können viel mehr. Im Zürcher Museum für Gestaltung steht eines dieser Geräte, auf denen derzeit die Erwartungen vieler ruhen: ein 3-D-Drucker. Mitunter kosten sie keine 1000 Euro mehr. Zukünftig soll alles ein Kinderspiel sein: Wer eine neue Tasse braucht, entwirft sie am Rechner und druckt sie zuhause aus. Die Technologie beruht auf den Tintenstrahldruckern, die in den 1980er Jahren entwickelt wurden. Flüssigharz oder geschmolzener Kunststoff spritzt aus der Düse und erhärtet unmittelbar.

 

Alicia Framis führt in ihrer Arbeit „Screaming Room“ die Arbeitsweise eines solchen Druckers vor. Weiße Plastikschnüre werden erwärmt und schichten einen Becher auf, nicht anders wie man aus Tonwülsten ein Gefäß schaffen würde. Die Einbuchtungen und Dellen des Bechers setzen den Schrei um, den man in der dunklen Box getan hat. Neben dieser künstlerischen Intervention zeigt das Museum für Gestaltung Bereiche, in denen 3-D-Drucker bereits eingesetzt werden. In der Medizin spielt diese Technik eine bedeutende Rolle, aber auch beim Entwerfen von Schmuck und Einrichtungsgegenständen. Manches wie die Kugellampe von Lionel T. Dean wirkt ausgesprochen organisch, bei den Lampen und Stühlen des schwedischen Labels Front Design sind noch die Linien des Entwurfs zu erkennen. In Zürich beschränkt man sich auf die Präsentation von Objekten. Die Veränderungen, die die Drucker für die Arbeitswelt und die Wirtschaft mit sich bringen wird, lässt die Ausstellung unbeleuchtet. Die Prognosen fallen unterschiedlich aus. Sieht Frithjof Bergmann mehr Freizeit voraus, beschreibt der Buchautor Chris Anderson mit dem Internet der Dinge „die nächste industrielle Revolution“. Es ist allerdings eine rückwärtsgewandte Vision, erinnert sie doch an die Heimatarbeit des 19. Jahrhunderts. Anderson sucht den Anschluss an eine individualistische Designszene und vergisst, dass diese gerade den Charme des Handwerklichen sucht.           

 

 

3D – Dreidimensionale Dinge drucken.

Museum für Gestaltung Zürich, Ausstellungsstr. 60, Zürich.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch 10.00 bis 20.00 Uhr.

Bis 5. Mai 2013.

Chris Anderson: Makers. Das Internet der Dinge, Hanser Verlag 2013, 286 S.,

22,90 Euro | 36.90 Franken.

 

 

















Museum für Gestaltung Zürich