20/12/12

Augenscheinlich minimal

Im Freiburger Kunstraum Alexander Bürkle fragt eine Ausstellung nach dem Wesen des Minimalismus.

von Sören Schmeling
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Carl Andre, 165 Glarus Tin Trigon, 2007

Im Freiburger Kunstraum Alexander Bürkle fragt eine Ausstellung nach dem Wesen des Minimalismus.


Eine weiße Schnur in eine Raumecke gespannt, ein mit Alabaster aufgefüllter Dichtungsring einer Espresso-Kanne an einem Wandpfeiler, Zinnplatten auf dem Boden: Das sind einige der zurückhaltenden Arbeiten der Ausstellung „Minimal reloaded“ im Freiburger Kunstraum Alexander Bürkle. Das Ausstellungskonzept folgt einer ebenfalls minimalen Struktur: Acht Räume, in denen jeweils eine künstlerische Positionen gezeigt wird. David Semper, der jüngste Künstler der Schau, greift in seiner Arbeit ebenfalls die Zahl Acht auf. Seinem gefüllten Dichtungsring gegenüber hat er „Zu drei Zeitpunkten (im 8 Tage Rhythmus) 8 Linien gezogen in situ“. Die Handlungsbeschreibung als Werktitel offenbart den handwerklichen Entstehungsprozess, der im Gegensatz zu den anderen gezeigten Werken steht, die eher industriell gefertigt sind oder diesen Anschein erwecken. Mit Efeublättern hat Semper die insgesamt 24 mit der Reißnadel über eine Raumecke hinweg eingekerbten Linien nachgerieben, sodass sich die Pflanzenfarbe kontrastreich an den Kanten absetzt und in den Zwischenräumen der Linien ins Weiß der Wand ausläuft. Eine augenscheinlich „minimalistische“ Arbeit, nicht nur hinsichtlich der eingesetzten Mittel, auch hinsichtlich ihrer Dauerhaftigkeit: Die anfangs grüne Farbe erscheint bereits jetzt bräunlich und wird am Ende der Ausstellung wohl wieder dem Weiß weichen.Judd.jpg

Was aber ist hier eigentlich minimal? David Semper, als junger in Freiburg ausgebildeter Künstler, ist zeitlich wie inhaltlich weit entfernt von den „Klassikern“ des Minimalismus, von Werken wie Judds industriell gefertigten Wandboards oder Sol LeWitts abstrakten strukturalistischen Würfelgittern. Keine „Specific Objects“, die des White Cubes bedürfen, um ihre ungewöhnlich alltägliche Einzigartigkeit zu entfalten. Sempers Dichtungsring, sein Ritzbild oder die handgeschliffene Gipskartonplatte nisten sich hingegen in den Raum ein, treten in eine spezifische Wechselwirkung mit ihm. Gerade die vergilbende Pflanzenfarbe scheint die sonst so beständig wirkenden Arbeiten aus Metall, Glas, Kunststoff, Leder oder Leinwand zu konterkarieren. Einzig vielleicht noch Fred Sandbacks weißer Garnfaden zeugt von ähnlicher ephemerer Fragilität und von ähnlicher Raumüberschreitung wie Carl Andres Bodenplatten aus Zinn. Diese Arbeiten weisen über die für die Minimal Art so charakteristische, beständige und undurchdringliche Oberfläche hinaus, die bisweilen starr, ja leblos anmutet. Gerade dieser subtile Kontrast lässt in der Ausstellung noch etwas wie lebendigen Zweifel an den gesetzten, formvollendeten Statements aufkeimen.

Minimal Reloaded.
Kunstraum Alexander Bürkle

Robert-Bunsen-Str. 5, Freiburg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, Sonntag: 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 24. Februar 2013.
Kunstraum Alexander Bürkle