04/04/13

Wer hat Angst vor der Figuration

Im Haus Konstruktiv lotet der amerikanische Maler Alex Katz die Grenze zur Abstraktion aus.

von Florian Weiland
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Alex Katz. Ausstellungsansicht Haus Konstruktiv, 2013, Foto: Stefan Altenburger

Im Haus Konstruktiv lotet der amerikanische Maler Alex Katz die Grenze zur Abstraktion aus.

Im Jahr 1955 malt Alex Katz mit „Two Trees“ ein eher unscheinbares, kleinformatiges Ölbild, auf dem, wie der Titel verrät, zwei Bäume zu sehen sind. Wirklich? Der amerikanische Maler lotet die Grenze zur Abstraktion aus. Die Bäume entsprechen zwei grünen Silhouetten, die in der Bildmitte tanzen, abstrakt anmutende Flecken, in denen wir gerade eben noch Bäume erkennen können. Mit dieser frühen Arbeit hat Katz (*1927) das Leitmotiv umrissen. Der Maler, dem das Haus Konstruktiv die erste große Museumsschau in der Schweiz widmet, spielt in seinen Landschaften mit unterschiedlichen Abstraktionsgraden. Die Bildformate werden indes immer gewaltiger. Höhepunkt ist die über acht Meter lange Arbeit „My Mother's Dream“ von 1998, ein riesiges Waldstück in unterschiedlichen Lichtstimmungen, das in Zürich – eine gute Entscheidung – einen Raum für sich bekommt. Das Laub der Bäume beginnt sich bei näherem Hinsehen in abstrakte Felder aufzulösen. Ein ähnlicher Kippeffekt zeichnet die Hochhäuser im Schneesturm aus. Die erleuchteten Fenster schweben als gelbe Rechtecke im Nichts. Die Umrisse der Häuser sind kaum mehr auszumachen. Die gelben Iris in „Yellow Flags“ werden, in immer neuen Ansichten gemalt, zu einer Parade abstrakter Formen und lassen uns leicht vergessen, dass es sich trotzdem immer um dieselbe Blume handelt. Dabei hat sich Alex Katz nie vor dem Gegenständlichen gefürchtet. Ganz im Gegenteil. Wir finden zwei Badende im Meer, Ada, die Frau des Künstlers, sitzt im Heidelbeerfeld und posiert liegend auf dem grünen Rasen. Wir begegnen ihr ein weiteres Mal in dem Bild „Black Ada“. Der Großteil der Bildfläche bleibt monochrom weiß, nur am untersten Bildrand ragt der Körper seiner Frau heraus. Ein Bild, das ein Gefühl für die Unendlichkeit vermittelt, ebenso wie die Möwe, die vor einem unendlich weiten, hellgelben Himmel ihre Kreise zieht oder die grünen Wellen des Meeres in dem ebenfalls fast monochromen „Marine 10“.

 

Die Ausstellung deckt Arbeiten aus allen Schaffensphasen ab. In zwei kleinen Nebenräumen werden frühe Arbeiten und Collagen präsentiert, das erste Landschaftsbild stammt aus dem Jahr 1949. Doch erst in den Großformaten hat Katz, der sich als postabstrakter Maler versteht, zu seiner ganz eigenen Bildsprache gefunden. Hier hat er sich von den Gegenständen befreit und zugleich die Abstraktion hinter sich gelassen. 

 

Alex Katz, Landscapes.

Haus Konstruktiv

Selnaustr. 25, Zürich.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 12.00 bis 20.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 12. Mai 2013.

www.hauskonstruktiv.ch

Katalog im Kehrer Verlag, Heidelberg 2013, 96 S., 39,90 Euro | 59.90 Franken.




Haus Konstruktiv