20/12/12

So ein Zirkus

Das Kunsthaus Zürich zeigt die Ausstellung "Goodbye Horses" von Latifa Echakhch.

von Annette Hoffmann
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Latifa Echakhch, Untitled (German Wheel and two figures), 2012, Ausstellungsansicht „Latifa Echakhch. Goodbye Horses“, Kunsthaus Zürich, November 2012, Foto: Lena Huber, Kunsthaus Zürich, © Latifa Echakhch

Das Kunsthaus Zürich zeigt die Ausstellung "Goodbye Horses" von Latifa Echakhch.

 

In Latifa Echakhchs Ausstellung im Kunsthaus Zürich „Goodbye Horses“ kommen die Abschiedswünsche ein wenig spät. Die Pferde, aber auch die Artisten sind längst schon weg. Und auch die Raubtiere haben sich aus dem Staub gemacht – lediglich Spuren ihrer Tatzen auf den Podesten erinnern noch an sie. Überbleibsel sind alles, auf das die Betrachter stoßen. Hier ein Podest mit Glitter, dort mehrere Artistinnenkostüme mit Federn und Kopfputz. Talmi herrscht vor und Illusion kann aus der Nähe ganz schön schäbig sein. Dominiert aber ist der Bereich der Sonderausstellung durch ein niedergesunkenes Zirkuszelt, das sich samt Wimpel in den ersten Stock des Kunsthaus Zürich zieht. Von dort aus erkennt man erst, mit wie viel Bedacht die gelb-rote Plane über die Stufen geführt ist und wie sie die Architektur des Raumes einbezieht. Für ihre Ausstellung im Kunsthaus Zürich hat sich die marokkanisch-französische Künstlerin Latifa Echakhch (* 1974) für eine narrative Klammer entschieden, die jede der gezeigten Arbeiten in diese Erzählung einbindet. Etwas muss passiert sein, dass die Zirkusleute derart überstürzt den Ort verlassen und alles zurückgelassen haben. Ein positiver Grund für diesen Aufbruch mag einem nicht einfallen.Echakhch2.jpg

Sich mit der Welt des Zirkus zu befassen, war ein lang gehegter Wunsch von Latifa Echakhch, ist im Saaltext der Ausstellung nachzulesen. Selbst in der zeitgenössischen Kunst ist die glamouröse Welt des Zirkus, die immer auch Themen wie das Exotische und Außer-Alltägliche anklingen lässt, kein ganz ungewöhnliches Sujet. Ugo Rondinone hat eine ganze Serie schwergewichtiger Clowns, die mal im Raum sitzen, mal dort niedergestreckt liegen, geschaffen. Ein wenig erinnern sie an Vaudeville, ein wenig an das Horror-Genre. Latifa Echakhch versinnbildlicht die Körper durch ihre zurückgelassenen Häute. „Auguste and Clowns“ etwa setzt sich aus den Kleidungsstücken und Schuhen eines Clowns- und eines Dummen-August-Kostüms zusammen, die zwischen durcheinander gewürfelten Bestandteilen einer Manege liegen. In einer anderen Arbeit hängen Trikots, Seidenstrümpfe und Paillettentops über einem Rhönrad. Echakhchs Arrangements reagieren auf aktuelle Präsentation von Kunst, in der das Display selbst zum Kunstwerk wird. Und doch ordnet sich das Formale anders etwa als bei ihrer Tuschearbeit für die Art Unlimited 2010 „À chaque stencil une révolution“ oder ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Basel ganz einer Narration unter, die der Betrachter sich aus Bruchstücken erschließen muss. Und dies wirkt bedeutend eindimensionaler.


Latifa Echakhch, Goodbye Horses
Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1, Zürich.

Öffnungszeiten: Dienstag 10.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch bis Freitag 10.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 24. Februar 2013.
Kunsthaus Zürich