04/04/13

Rauschen, Schmatzen, Wispern im Wald

Stiller Soundtrack für ein tolles Solo: Die Edition "sapin" des Genfer Künstlers Alexandre Joly.

von Dietrich Roeschmann
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Alexandre Joly, Radars, 2013, courtesy the artist

Stiller Soundtrack für ein tolles Solo: Die Edition "sapin" des Genfer Künstlers Alexandre Joly.

Im Kunsthaus Langenthal geht es derzeit zu wie in einem Tempelgarten für Anhänger der experimentellen Elektromeditation. Sonores Brummen lässt den Boden vibrieren. Es zwitschert und knistert aus allen Ecken, Stroboskopblitze werfen riesige Schatten von Muscheln und Kristallen an die Wände. Aus der Ferne plärrt dazu eine elektrische Shruti-Box, von der sich in Indien gerne die Sänger volkstümlicher Lieder begleiten lassen, das Mantra auf „Endless Re­peat“ programmiert.

jolyreunion.jpgAlexandre Joly, La Grande Réunion, 2013, Ausstellungsansicht Kunsthaus Langenthal, Foto: Martina Flury Witschi

Herr über dieses sich selbst organisierende Klang­orakel ist der Genfer Künstler Alexandre Joly, der mit „Silent Movements“ jetzt seine erste große Soloschau im deutschsprachigen Raum hat. Und da in seiner Arbeit – wie der Titel schon sagt – nicht nur Sound, sondern auch Be­wegung eine zentrale Rolle spielt, hat der 35-Jährige kurzerhand die historischen Räumlichkeiten mit Dutzenden von der Decke hängenden Stoffbahnen in ein Labyrinth verwandelt, das selbst Ortskundigen einiges an Orientierungssinn abverlangen dürfte: Wo war hier nochmal der Eingang? Ach ja, richtig: dort, wo die Bässe unterm Vorhangsaum hervorschmatzen. Eingetaucht in das lichte Blau der Stoffbahnen erstreckt sich dahinter erstmal ein endloser Korridor. Angeblich folgt er exakt dem Flusslauf der Langete, die unter dem Kunsthaus im Kanalbett gebändigt wird: der Flur als Wasserader – eine hübsche Metapher für das Strömen der hypnotischen Sounds, die aus den dunklen Seitenkabinetten klingen. Ausgelöst werden sie von rotierenden Tonabnehmern, die an diversen Objekten vorbeischweben und deren Magnetfelder registrieren, während in den Räumen nebenan Unterwasserlautsprecher eisblumenartige Zeichnungen auf die Oberfläche eines Zimmerteichs zaubern oder ein kleiner Schellenbaum sein leises Lied wispert, umringt von discotauglich de­signten Styroportannen. Pünktlich zur Halbzeit dieser tollen Inszenierung visueller und körperlicher Klangerfahrungen legt Alexandre Joly nun eine Edition vor, die seine Schau multimedial verlängert: Sie besteht aus zwei entspannt vor sich hin dösenden Ambient-Tracks, klassisch auf Vinyl, und ist eingeschlagen in die gefaltete Zeichnung eines (Styropor-)Tannenwäldchens. Lauschig.         

Alexandre Joly: Silent Movements.

Kunsthaus Langenthal

Marktgasse 13, Langenthal.

Bis 5. Mai 2013.

Edition „sapin“: Auflage 300, 18 Franken.





Kunsthaus Langenthal