27/03/13

Veranschaulichung von Wahrnehmungsphänomenen

In der Ausstellung von Jorge Macchi im Kunstmuseum Luzern wird aus Bildideen klinisch kühle Realität.

von Yvonne Ziegler
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Jorge Macchi, Refraction, 2012, courtesy the artist, Foto: Stefano Schröter

In der Ausstellung von Jorge Macchi im Kunstmuseum Luzern wird aus Bildideen klinisch kühle Realität.

Diese Ausstellung beginnt schon vor den Einlasstüren. Neben der Kasse reihen sich derzeit im Kunstmuseum Luzern zehn gerahmte Bilder, die die Arbeiten Jorge Macchis (*1963) als Idee vorstellen. Später in den eigentlichen Ausstellungsräumen wird dann zu erleben sein, wie aus den durchlässig wirkenden Aquarellen des argentinischen Künstlers klinisch kühle Realität wird. Ein Mann schaut in einem dunklen Raum auf eine Uhr, die so in eine Raumecke projiziert ist, dass ihre Zeiger auf den drei Raumkoordinaten stehen. Eine Blümchentapete läuft in das Weiß der Wand aus, auf der eine Kerzenlampe angebracht ist. Wäre da nicht das Weiß, sie erinnerte an einen Lichtkreis. Das allmähliche Abnehmen von Sichtbarkeit lässt sich auch in Macchis Arbeit „Cathedral“ aus dem Jahr 2011 beobachten, bei der der Künstler die Zeichenfolge des amerikanischen Sehtests nicht nur in der Größe, sondern auch in der Helligkeit abnehmend von oben nach unten an einer hohen Wand angeordnet hat. Auf den Aquarellen ist neben dem Werk zumeist die durchscheinend wirkende Figur eines Betrachters zu sehen. Wie in eine zarte Wasserlandschaft versetzt steht die Person zwischen blauen Absperrbändern anscheinend auf einem blauen Grund.

In der Ausstellung „Container“ jedoch wird man mit einer Realisierung konfrontiert, die der Idee alles Poetische ausgetrieben hat. Der Eindruck von Verweigerung, Normierung oder einer Durchleuchtung kommt auf. Macchis Werke erschließen sich ohne weiteres. Ein Geheimnis kennen sie nicht; sie sind, was man sieht. Das Ausmaß eines Schattens, den eine weiße Leinwand wirft, ist durch Dachlatten umgrenzt. Eisenstäbe sind derart geknickt, als stünden sie im Wasser und zeigten eine perspektivische Verkürzung auf. Jeder Raum im Kunstmuseum Luzern, das Macchi seine erste institutionelle Soloausstellung in der Schweiz widmet, veranschaulicht ein Wahrnehmungsphänomen. Das ist manchmal witzig, manchmal nüchtern, bleibt jedoch meist ohne tatsächliches Erfahrungsangebot. Der Aufwand ist groß, das Nachdenken über Zeit, Sichtbarkeit und Struktur sinnvoll, doch lange vermag es einen nicht zu beschäftigen.

 

Jorge Macchi, Container

Kunstmuseum Luzern

Europaplatz 1, Luzern.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 10.00 bis 20.00 Uhr.       

Bis 16. Juni 2013.

www.kunstmuseumluzern.ch




Kunstmuseum Luzern