23/03/13

Anna Kołodziejska

Die Karlsruher Künstlerin Anna Kołodziejska mag es, wenn die Dinge zu flüstern beginnen. Eine Werkschau in der Städtischen Galerie Karlsruhe stellt ihre Arbeiten vor.

von Carmela Thiele
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kolodziejska1.jpgAnna Kolodziejska, Ohne Titel (Feder), 2010, Ohne Titel (Hängender Tisch, 2012, © Anna Kolodziejska und Galerie Bernd Kugler

Die Karlsruher Künstlerin Anna Kołodziejska mag es, wenn die Dinge zu flüstern beginnen. Eine Werkschau in der Städtischen Galerie Karlsruhe stellt ihre Arbeiten vor.

Die Arbeit mit Gegenständen kommt Anna Kołodziejska entgegen. Möbel, Kleidungsstücke, Haushaltsgegenstände. Was sich ihr in den Weg stellt, kann zur Skulptur werden. „Die Dinge, mit denen ich arbeite, sind so etwas wie Prototypen. Sie sollen die Essenz der Dinge ausstrahlen. Es sind aber auch Dinge, die mich in irgendeiner Weise berühren.“ Wenn Anna Kołodziejska (*1974)  über ihre Arbeit spricht, klingt es, als ob sie sich bei aller Entschiedenheit darüber wundert, dass sie seit fast zehn Jahren diesen Weg verfolgt. Wir sitzen in der Küche ihrer Wohnung in der Karlsruher Südstadt. Es gibt Tee, ein üppiger Strauß aufgeblühter Tulpen steht auf dem Tisch. Und doch herrscht die klare Atmosphäre, die oftmals Räumen eigen ist, in denen Künstler wohnen. Sie habe als Kind eine Weile sehr, sehr einfach gewohnt, sagt sie, da würde man ein anderes Verhältnis zu den Dingen entwickeln. Um sich als Künstlerin entfalten zu können, hat sie eine Kunstakademie gebraucht wie die in Karlsruhe. 1999 kam Anna Kołodziejska von Köln nach Süddeutschland und fand schließlich in Ernst Caramelle den richtigen Professor. Die stattliche Liste ihrer Stipendien und Ausstellungsbeteiligungen in Basel, Liechtenstein und Wien belegen die Anerkennung ihres Werks.

 

Wer ihre Ausstellungen besucht, empfindet eine Einsamkeit, die von den Objekten auszugehen scheint. Denn diese zur Kunst gewordenen Dinge erzählen von sich, sehr direkt und ohne Schnörkel. In der Städtischen Galerie Karlsruhe hat die Preisträgerin des Kunstpreises der Werner-Stober-Stiftung 2012 einen Raum mit sechs Arbeiten eingerichtet. Ihre Werke müssten „atmen“ können und den richtigen Platz haben, sagt sie, dann ergebe sich mitunter ein „Flüstern“. Eine ganze Wand für sich hat der mannshohe, weiße Reißverschluss, halb auf gezogen, die geöffneten Seitenteile wie Arme rechts und links abgewinkelt. Daneben ein Stück blauer Teppich mit eingebrannten Löchern in der Formation des „Großen Wagens“. In Sichtweite ein über Kopf an einem Bein von der Decke herabhängender Küchentisch. Stiller Beobachter dieser Szenerie: Ein abgerissenes Plakat, von dem nur mehr die vier Ecken mit den Wandbefestigungen übriggeblieben sind. Außerdem anwesend: ein gerahmtes Schulheft mit umgeknickter unterer Ecke und eine wie ein Bild an die Wand gebrachte offene Kiste mit einer auf dem Rand balancierenden Feder.

 

Das Gute an den Dingen sei auch, dass ihre Größe vorgegeben sei. „Das ist Entlastung und Herausforderung zugleich.“ Wenn die im polnischen Zywiec geborene Künstlerin ihr Atelier betritt, ist die Situation völlig offen. Ihre Arbeit sei ein meditativer Vorgang, bei dem sich alles ergeben müsse. Auf die Frage, welches Werk für sie eine zentrale Bedeutung habe, schlägt die junge Frau den Katalog ihrer ersten Einzelausstellung auf, den die Galerie Bernd Kugler in Innsbruck 2006 gedruckt hat. Vier umgekehrte Spiegel, die an der Wand lehnen, sind zu sehen. Deren unterschiedliche, auf den menschlichen Körper bezogene Formen und die erschöpft erscheinenden Farben der Rückseiten – Anthrazit, Beige, Hellblau und ein warmes Dunkelrot– wirken rätselhafterweise stärker als jede Shaped-Canvas-Malerei. In Gedanken drehen wir Betrachter die Spiegel um und fragen uns, ob wir wirklich hineinschauen sollen.        

       

Anna Kołodziejska: Von Dingen und Menschen.

Städtische Galerie

Lorenzstr. 27, Karlsruhe.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 28. April 2013.

 




Städtische Galerie Karlsruhe