06/03/13

Wir bieten den Galerien eine gute Plattform

Ewald Karl Schrade, Galerist und Begründer der art Karlsruhe, über zaghafte Anfänge, kleine Schritte und große Erfolge der Messe.

von Annette Hoffmann
Thumbnail

schrade.jpg

Ewald Karl Schrade bei der Eröffnungsrede zur 10. art Karlsruhe

 

Ewald Karl Schrade, Galerist und Begründer der art Karlsruhe, über zaghafte Anfänge, kleine Schritte und große Erfolge der Messe.

 

Artline: Herr Schrade, was hat Sie 2004 so sicher gemacht, dass im Südbadischen zwischen Köln und Basel noch Platz für eine neue Kunstmesse ist?

Ewald Karl Schrade: Baden-Württemberg ist ein Musterland der Sammler. Hier leben viele gewichtige private Sammler und wir haben bedeutende öffentliche Sammlungen. Die kulturelle Tradition am Oberrhein ist groß, die Museen sind vorhanden, es hat nur noch der Kunstmarkt gefehlt.

 

Artline: Es gibt immerhin die Art Basel ...

Schrade: Ja, aber die hat sich immer mehr in Richtung amerikanische Galerien entwickelt und vor allem  auf hochpreisige Kunst ausgerichtet. Das hatte zur Konsequenz, dass die mittelständische Ebene nicht mehr vertreten war. Auch die Klassische Moderne wurde in Basel nach und nach aussortiert. Sie musste wieder eine Heimat bekommen.

 

Artline: Und diese Heimat wurde Karlsruhe?

Schrade: Ja. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, wie günstig Karlsruhe geografisch gelegen ist. Man braucht von der Schweiz eineinhalb Stunden, eine Stunde von Frankfurt, zwei Stunden von Köln, drei Stunden von München und von Paris. Besser kann eine Stadt kaum liegen. Und wir haben in Karlsruhe den Vorteil einer einmaligen Hallenarchitektur, die ohne Säulen auskommt. Das hat uns erlaubt Skulpturenplätze einzurichten. Diese Skulpturenplätze haben eine ganz eigene Großzügigkeit geschaffen und sie haben die Skulptur, die bis dahin auf Messen stiefmütterlich behandelt wurde, auf Augenhöhe mit der Malerei gestellt. Seit einiger Zeit schon genießt die Skulptur bei Sammlern eine verstärkte Aufmerksamkeit, sie hatte nur nie die richtige Plattform. Wir wollten sie nicht in eine Extrahalle abschieben, sondern sie mit Malerei, Zeichnung und Fotografie in einen Dialog bringen.

 

Artline: Was macht den Standort Karlsruhe aus?

Schrade: Man hätte schon längst eine Kunstmesse in Südwestdeutschland gründen können. Das Rheinland hat die Kunst nicht für sich gepachtet. Zentralität definiert nicht die Kunst. Kultur ist da, wo Menschen sind, die sich für Kultur engagieren und einsetzen – auch Basel liegt schließlich nicht im Herzen der Schweiz. Meine Idee, in Karlsruhe eine neue Kunstmesse zu gründen, stieß am Anfang längst nicht bei allen auf Begeisterung. Doch jetzt fiebern alle der art Karlsruhe entgegen.

 

Artline: Im Begleitprogramm der art Karlsruhe zeigen Sie in diesem Jahr Fotografien von Gisèle Freund aus der Luxemburger Sammlung Marita Ruiter – und es wird eine Aktion und eine Edition des Street-Art-Künstlers Stefan Strumbel geben. Wie wichtig sind solche begleitenden Anlässe für die Messe?

Schrade: Ich will damit demonstrieren, dass Privatsammlungen eine wichtige Rolle spielen. Ich ehre damit Menschen, die aus Leidenschaft Kunst gesammelt haben und die andere womöglich inspirieren, selbst zu sammeln.

 

Artline: Bräuchte die art Karlsruhe künftig strengere Auswahlkriterien?

Schrade: Man kann nicht mehr tun als eine Kommission aufstellen. Hochrangiger als wir kann man kaum aufgestellt sein. Es melden sich immer sehr viele Galerien, nicht immer die, auf die man sehnlichst wartet. Aber jedes Jahr habe ich gewichtige Galerien für die Messe begeistern können. Der Leumund der Messe ist einzigartig gut. Es gibt natürlich Konkurrenz, mal ist es die Armory-Show, mal die Arco in Madrid. Ich wollte von Anbeginn nicht anderen Messen die Aussteller wegschnappen, sondern neben renommierten Galerien, wie Michael Werner, Nothelfer, Schultz und jetzt die Pariser Galerie Lahumière auch den weniger bekannten Galerien ein Forum bieten. An der großen Kontinuität an Ausstellern sieht man, dass wir es den Galerien so angenehm wie möglich machen und ihnen eine gute Plattform für Geschäfte bieten.     




art Karlsruhe