22/12/12

Heilige Langeweile, weltzugewandte Kurzweil

"Hommage an die Malerei": eine Ausstellung zum 80. Geburtstag von Peter Dreher im Augustinermuseum Freiburg.

von Annette Hoffmann
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Peter Dreher, Tag um Tag guter Tag, Nr. 666, 1984, Foto: Bernhard Strauss, © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

"Hommage an die Malerei": eine Ausstellung zum 80. Geburtstag von Peter Dreher im Augustinermuseum Freiburg.

Wer an Peter Drehers Serie „Tag um Tag guter Tag“, wie sie derzeit im Freiburger Augustinermuseum gezeigt wird, vorbei geht, kommt nicht umhin, sich grundsätzliche Fragen zu stellen. Denn wer seit Anfang der 1970er Jahre in stupender Regelmäßigkeit ein und dasselbe Wasserglas unter weitgehend vergleichbaren Bedingungen malt, provoziert. Zumal auf dem Gebiet der Kunst, auf dem seit der Moderne jede Neuerung mehr zählt als die Wiederholung. Peter Dreher, der gut 30 Jahre die Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe leitete (eine Ausstellung in Müllheim würdigt gerade den Lehrer Dreher), ist nicht irregeworden. Möglicherweise diente ihm gerade die Serie als eine Art U-Boot für Gedanken der Konzeptkunst.

Drehers Wasserglas steht auf einem neutral grauen Untergrund, der sich gegen den hellen Hintergrund abhebt. Das Glas wirft einen schwachen Schatten nach unten, mitunter auch nach links. Reflexe spiegeln sich am oberen Rand und am Fuß des Glases, ihr sparsames Spektrum reicht von Weiß bis hin zu Gelb-, Blau- und Grüntönen. Die oben eingeritzte Zahl weist es als Teil eines größeren Ganzen aus. Um die 5000 dieser maßstabgetreuen Abbildungen ist in den letzten 40 Jahren entstanden. Sie sind ein Statement heiliger Langeweile und weltzugewandter Kurzweil. Und führen ganz unmittelbar zu Problemen der Malerei: wie abstrakt ist eigentlich ein Gegenstand und wie illusionär kann ein Abbild sein. Er wollte etwas malen, das unsichtbar ist, sagt Peter Dreher. Aber doch sichtbar genug, um an die Oberfläche der Leinwand zu treten, möchte man ergänzen. Bei all seinen Serien, die der mittlerweile 80-jährige Dreher geschaffen hat, gibt es dieses Moment des Kunstwollens. Bei den Bildern seines Ateliers in New York, aus den 1980er Jahren, die in der Hängung im Augustinermuseum das Fensterkreuz vervielfältigen, bei früheren Blumenbildern, die mit der Aussparung arbeiten und in denen auf der weißen Grundierung oft eine Vorzeichnung zu sehen bleibt. Oder bei den neuesten Blumenbildern, die immer Sträuße abbilden, aber für sich keine Wiedergabe der Wirklichkeit in Anspruch nehmen. Begleitet doch der Maler die Blumen bis zu ihrem Verwelken und dreht und wendet sie während dieser Zeit, so dass ein Bild immer mehrere Perspektiven in sich vereint und auch nicht immer eine Vase aufweisen muss. Peter Dreher ist ohne Frage ein Traditionalist, der wesentlich durch die Neue Sachlichkeit geprägt wurde und doch kommen auch seine Bilder nicht ohne den Funken Illusion aus.

Peter Dreher. Hommage an die Malerei.
Augustinermuseum

Augustinerplatz, Freiburg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 7. April 2013.
Augstinermuseum Freiburg