05/03/13

Dreizehn auf einen Streich

IM ZKM Karlsruhe ist ein Panorama asiatischer Videokunst zu sehen, das auf dem Festival "Move on Asia" beruht.

von Yvonne Ziegler
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Kozumi.jpgMeiro Koizumi, My Voice Would Reach You, 2009, Videostill, © Meiro Koizumi

Im ZKM Karlsruhe ist ein Panorama asiatischer Videokunst zu sehen, das auf dem Festival "Move on Asia" beruht.

 

Bewegte digitale Bilder faszinieren. Im Fluss der Zeit erzählen sie Geschichten in Gestalt sich ständig verändernder Formen oder visueller Bruchstücke, die der Betrachter zusammenzusetzen hat. Als Mitte der Sechziger die ersten leicht transportierbaren Videokameras auf den Markt kamen, bemächtigten sich Künstler wie Nam June Paik, Bruce Nauman oder Gary Hill dieses Mediums, die Videokunst entstand. In Asien setzte dies später ein, als die Technologie schon wesentlich weiterentwickelt war und erste Mobiltelefone zum Filmen benutzt werden konnten. Im Zuge der ökonomischen Aufbruchsstimmung, der Globalisierung und des Internets ermöglichten digitale Bilder asiatischen Künstlern die rasanten Veränderungen ihrer Lebenswelt festzuhalten, Traditionen zu überliefern und an internationale Kunstpositionen anzuschließen. Das ZKM Medienmuseum zeigt Videoarbeiten von Künstlern aus dreizehn asiatischen Nationen, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind. Sie stammen allesamt aus dem Archiv des größten asiatischen Festivals bewegter Bilder, „Move on Asia“, das seit 2004 alljährlich in Seoul stattfindet.

 

Die Videoarbeiten sind unterschiedlich gut verständlich und auch qualitativ heterogen. Mit „My Voice Would Reach You“ (2009) verdeutlicht Meiro Koizumi die Einsamkeit eines Städters inmitten einer Menschenmenge. Sein Protagonist, der auf einem belebten Platz steht, ruft seine Mutter an. Doch am Ende der Leitung meldet sich eine andere Person. Dennoch spricht er mit ihr, als sei es seine Mutter, bedankt sich für den Reis und redet auch dann weiter, als das Gegenüber am anderen Ende wechselt und zunehmend unklar wird, wen er überhaupt sprechen will. Einmal wird die Leitung unterbrochen, am Ende verabschiedet er sich traurig. Einer, der spricht, doch niemand, der zuhört. Überall per Mobiltelefon mit der Welt verbunden, ist er doch allein. Schockierend ist Qiusha Mas Video „From No. 4 Pingyuanli to No. 4 Tianquiaobeili” (2007). Die junge Chinesin wurde von ihren Eltern einer harten Disziplin unterzogen, um Künstlerin zu werden. Sie erzählt ihre Lebensgeschichte relativ emotionslos, das Video wäre belanglos, käme am Schluss nicht die Rasierklinge auf ihrer Zunge zum Vorschein. Von künstlichen Blumen getarnt bewegt sich ein bewaffneter Soldat nahezu ungesehen im virtuellen Raum von Yongbeak Lees Video. Ein Wolf im Schafspelz, der aufgrund seiner Künstlichkeit den Betrachter ziemlich kalt lässt und vielleicht gerade deshalb gefährlich ist. Mehrere Arbeiten beschäftigen sich mit dem menschlichen Körper: Zähne, Lippen, Mund, Körperinneres. Andere thematisieren Auswirkungen der Globalisierung wie etwa die Situation von Arbeitern, deren Fabrik in ein Land mit noch niedrigeren Löhnen gezogen ist.

 

Fragen nach dem heutigen Demokratieverständnis und dem Attentat auf Ghandi sind Themen indischer Künstler. Darunter ist auch eine eher platte Animation eines Fünfhundert-Rupienscheins von Vishal K. Dar, die Ghandis Rechtschaffenheit heutigen Falschgeldaffären der Mafia gegenüberstellt. Auf formaler Ebene setzt sich teamLab mit der japanischen Bildtradition auseinander. Figuren, Architektur, Berge und Flüsse, die sie aus alten Werken kopiert haben, agieren im Bildraum mit modernsten Animationen. Beide Arbeiten befremden eher, als dass sie tieferes Verständnis eröffneten. Schließlich versucht Xiaochun Miao eine Hieronymus-Bosch-artige hypermoderne Welt zu kreieren, doch ihr fehlt der Glaube und die Wärme der Malerei. Auch wenn einzelne Arbeiten wie die gefrorenen Straßenszenen von Yeondoo Jung oder die ungewöhnliche Videoerzählung „The Cloud of Unknowing“, die der Singapurer Tzu Nyen Ho 2011 für die Venedig Biennale produzierte, wirklich überzeugen: Insgesamt bleibt bei dieser Schau leider ein Eindruck von Beliebigkeit zurück.    

Move on Asia. ZKM Medienmuseum

Lorenzstr. 19, Karlsruhe.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 4. August 2013.




ZKM