04/03/13

Ähnlichkeit mit sich selbst

Eine Ausstellung in zwei Teilen. Roni Horn in der Sammlung Goetz in München.

von Leon Hösl
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horn1.jpgRoni Horn, a.k.a., 2008-2009, courtesy Sammlung Goetz © Roni Horn, Foto: Stefan Altenburger Photography Zürich

 

Eine Ausstellung in zwei Teilen. Roni Horn in der Sammlung Goetz in München.

Kaum betritt man den ersten Raum der Sammlung Goetz, blickt einen Roni Horn (*1955) gleich 30 Mal an. Die Serie „a.k.a.“ stellt paarweise Fotografien aus der Jugend- und Erwachsenenzeit der Künstlerin nebeneinander. So fallen Ähnlichkeiten auf, wie der leicht skeptische, aufmerksame Blick, der schon im Kindergesicht aufzuleuchten scheint. Das Zusammenspiel von Person und Werk wird in dieser Ausstellung ansonsten eher unterschwellig geführt. So hat Horns Leidenschaft für Island mehrere Serien und eine intensive Auseinandersetzung mit dem Element Wasser hervorgebracht.

 

Eine Seelenverwandte findet Roni Horn in Emily Dickinson. Wenn sich die Dichterin zum Schreiben und Leben in die Isolation ihres Zimmers zurückzog, so sucht Horn die Einsamkeit auf Island. „How Dickinson stayed Home“ von 1993 erweist der Autorin Referenz; silber-blaue Buchstabenwürfel ergeben das Zitat Dickinsons „My business is circumference“. Horn, die einer auf die Minimal Art Bezug nehmenden Künstlergeneration angehört, betreibt mit dieser Arbeit eine formale Abstraktion von Sprache, indem sie den Satz in industriell gefertigte Buchstabenwürfel zerlegt und weist dadurch auf den trockenen, sachlichen Ton hin, den Dickinson anschlägt, wenn sie ihre poetische Tätigkeit mit „Business“ und deren Inhalt mir „Circumference“, also Umfang, beschreibt. Dickinson hatte sich in ihrem Zimmer eingezirkelt und so wie sich ihre Beobachtungen im eng gefassten Lebensraum ausbreiten, besetzen die minimalistischen Buchstabenobjekte gleichmäßig, aber ohne wirkliche Ordnung den Ausstellungsraum.

 

Einen solchen persönlichen Zugang verwehren Roni Horns abstrakte Pigment- und Firnisarbeiten, die jedoch von ihrer Obsession für Wiederholungen zeugen. Jeder Form ist ein Äquivalent zugeordnet. Die Repetitionen wirken einerseits rätselhaft und bekräftigen andererseits das Gesehene. Eine collagierte Zeichnung aus dem Jahr 2004 „Enough I“ macht vor allem deutlich, wie Wiederholung Ähnlichkeit konstruieren kann. Rote, kreisförmige Linien, ursprünglich zusammenhängend, dann aber ausgeschnitten und neu zusammengefügt, ergeben zwei zerstückelte, eng nebeneinander gesetzte Spiralformen. Die Linien mögen bevor sie in Vierecke zerschnitten wurden, ganz andere Formen gebildet haben, jetzt nimmt man sie als zwei nahezu gleichförmige Kegel wahr. Dieses Bild löst sich jedoch auf, wenn man die Fragmente für sich betrachtet. So kommt die Frage auf, ob nicht auch die Ähnlichkeit zwischen den Kinder- und Erwachsenenporträts, die jeweils Roni Horn darstellen sollen, nur Produkte eines Schnappschusses sind und unseren leichtgläubigen Blickes.     

Roni Horn. Sammlung Goetz.

Oberföhringer Str. 103, München.

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag 11.00 bis 16.00 Uhr.

Erster Teil bis 6. April 2013.

Zweiter Teil vom 17. Mai bis 31. August 2013.

Roni Horn, Sammlung Goetz, München, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2012, 215 S., 35,00 Euro, 49,90 CHF

 

 




Sammlung goetz